Deadlight – Review des Endzeit-Plattformers

Bild von Maxwell
User-NewsPCXbox 360

Zombies, überall Zombies. Auf den Straßen, im Fernsehen, in Videospielen – der Markt scheint überflutet mit Produkten über Untote. Wie man trotzdem eine Gameplay-Nische in der Welt der Lebenden findet, zeigt das Entwicklerstudio Tequila Works mit seinem 2012 erschienenen Erstling Deadlight.



Comeback eines Genres

Wer von uns Gamern erinnert sich nicht gerne an die guten, alten Zeiten der 1990er Jahre zurück. Eingeläutet durch Spiele wie Another World und Prince of Persia, entführte uns dieses Jahrzehnt in die Hochphase die 2D-Plattformer, in abenteuerliche Welten, in denen es galt, die Spielprinzipien von Geschicklichkeit und Timing zu meistern. Gut, hauptsächlich die älteren Semester unter uns werden nun in nostalgischer Verklärung vor sich hin seufzen. Denn oftmals war dieses „Meistern“ mit dem fortwährenden Wiederholen der gleichen Passagen verknüpft – immer wieder und wieder. Die Atmosphäre des Abenteuers konnte dabei schnell auf der Strecke bleiben und entwickelte sich zum Probeterrain von Frustbewältigungsstrategien. Doch gerade jenseits der puren Jump 'n' Run-Hektik wusste dieses Genre uns atmosphärisch in den Bann zu ziehen - und erfährt nun seit einiger Zeit eine Wiederbelebung. Es sind Independent-Perlen wie Limbo oder Mark of the Ninja, die den großen Entwicklern vormachen, dass man auch mit reduzierten Mitteln große Spiele entwerfen kann. Zugegebenermaßen kann Deadlight da nicht ganz mithalten. Doch widmen wir uns uns zunächst der Frage, worum es in dem Debüt des spanischen Entwicklers Tequila Works eigentlich geht.
 

Gefährliche Schatten

Wir schreiben den 4. Juli 1986 – eigentlich wäre heute der amerikanische Unabhängigkeitstag. Doch wie Randall Wayne so treffend bemerkt, ist es ein Tag wie jeder andere. Draußen lauert eine Horde von Zombies, in seiner Hand hält Randall eine rauchende Pistole und vor ihm liegt ein totes Mädchen. Ein Umstand, den ihre Schwester nicht so gut aufnimmt. Doch wer gebissen wird, wird sich verwandeln und wer sich von der Gruppe entfernt, geht das Risiko ein, von den „Schatten“ überrascht zu werden. Karla hatte sich entfernt und hat ihren Alleingang teuer bezahlt. Jetzt bleiben nur noch Stella, Ben, Sam und Randall übrig. Für Schuldzuweisungen bleibt keine Zeit. Vom Schuss angelockt, dringen die Schatten in die Lagerhalle ein. Randall wird von den anderen getrennt – welch Ironie. Jetzt heißt es, einen Ausgang zu finden und die anderen in einem sicheren Lager in Seattle wiederzutreffen. Randall hofft, dort auch endlich seine Familie zu finden.

Die Geschichte von Deadlight wird in Zwischensequenzen mit Hilfe von Motion-Comics erzählt. Hin und wieder ergeben sich auch einzelne Spielsequenzen, die uns traumartig durch Randalls Befindlichkeit führen. Die Story ist gewohnte Genre-Kost und bietet keine großen Überraschungen. Die Atmosphäre wiederum wurde toll eingefangen. Die Licht- und Unschärfeeffekte schaffen durch die Anwendung der Unreal-3-Engine einen stimmigen Stil. Zusammen mit der Musik und den Soundeffekten entsteht daraus eine bedrückende Atmosphäre. Einziges Manko dabei ist ausgerechnet die englische Sprachausgabe des Spiels: Der Sprecher wirkt doch zu angestrengt, das Endzeitgefühl auditiv zu vermitteln. (Wer des Englischen nicht mächtig ist, findet Menü und Texte übrigens auch auf Deutsch vor.)


 

 

Klettern, kämpfen, fliehen

Die Levels des Plattformers sind abwechslungsreich gestaltet, wodurch die Streifzüge durch Seattle nie langweilig werden. In altbewährter Prince of Persia-Manier klettern wir an Wänden hoch, springen über Dächer, entgehen tödlichen Fallen oder suchen unseren Weg durch die Kanalisation. Gelegentlich setzen wir uns mit Waffen gegen die Lebenden und die Untoten zur Wehr. Doch für gewöhnlich ist es sinnvoller, die Munition aufzusparen, um nicht unvermittelt schutzlos in einer Sackgasse zu landen. Manchmal gilt es einfach, die Beine in die Hand zu nehmen und das Weite zu suchen. Dabei müssen wir hin und wieder unsere Ausdauer (Stamina) im Blick behalten, damit Randall nicht an den falschen Stellen die Luft ausgeht. Ein Prinzip, das man bereits aus der Genre-Verwandschaft I am Alive kennt, das aber nie dessen Gewichtung im Gameplay erreicht. Die Rätselanteile des Spiels sind recht einfach gehalten und runden das Bild eines ausgewogenen Leveldesigns ab.

Was den Gesamteindruck letztlich trübt, sind die eingangs erwähnten Frustpassagen. Nicht weil Deadlight spielerisch zu herausfordernd wäre, sondern weil uns manchmal ein unausgewogenes Spieldesign oder eine ungenaue Steuerung einen Strich durch die Rechnung macht. Das altmodische Try-&-Error-Prinzip erfährt in solchen Momenten ungewollt seinen zweiten Frühling. Grundsätzlich geht es in Ordnung, wenn man in ruhigen Passagen ein paar Versuche mehr benötigt. In schnelleren Abschnitten drückt dies allerdings gelegentlich auf die Stimmung. Besonders im Finale fällt dieses Missverhältnis stärker ins Gewicht, wenn man ohne das richtige Timing wiederholt aus dem Spielfluss gerissen wird. Glücklicherweise begegnen uns solche Passagen nur vereinzelt.

 

Fazit

Die einzelnen Schwächen des Spiels trüben den Gesamteindruck zu stark, als dass von einer Genre-Perle die Rede sein könnte. Besonders das Spieldesign wirkt stellenweise zu unausgewogen. Dafür verfügt Deadlight aber über ein rundes Leveldesign und eine atmosphärisch stimmige und ansprechende Grafik. Wer also über kleinere Mängel hinwegsehen kann, wird für rund fünf Stunden gut unterhalten.

 

Quelle: 
Steam

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