Die gamescom 2010 - Ein Erlebnisbericht

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In bester Zockerhausen-Tradition liefert Zabucracker uns nach seinem Artikel zur letztjährigen Messe auch zur gamescom 2010 einen umfassenden Bericht ab. Und der ist genauso lang wie die Messe gut besucht war.


Die gamescom 2010 - Ein Erlebnisbericht

Nachdem die E3 im Juni diesen Jahres wieder nur den Ausstellern und der akkreditierten Presse vorbehalten war, und auch nur diese in den Genuss der neuesten Spiele und Technologien der verschiedenen Entwickler kamen, mussten sich passionierte Spieler weltweit noch zwei weitere Monate gedulden, bis sie selber Hand an ihre anstehenden Spiele-Highlights legen konnten. Denn zum zweiten Mal versammelten sich die Entwickler und Produzenten in Köln, um ihre neuesten Videospiele und Produkte zu präsentieren.

Und mit rund 245.000 Besuchern war die gamescom 2010 ein voller Erfolg. Ich war auch wieder alle vier Besuchertage vor Ort und habe nicht nur die aktuellen Spiele angesehen und gezockt, sondern vor allem viele neue Bekanntschaften gemacht, die für mich die gamescom 2010 zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht haben.


Eine Welt im stetigen Wandel

Es war am letzten Tag, als ich mich völlig erschöpft in einen dieser bequemen Sitzsäcke niederließ, sich meine Gedanken von den auf der Messe präsentierten Videospielen lösten und ich mich einfach nur von der unglaublich beeindruckenden Erscheinung dieses Events überwältigen ließ. Ein Event, bei dem jeder Stand versucht, die Aufmerksamkeit der Besucher mit noch lauterer Beschallung, noch auffälligerer Beleuchtung und dem zusätzlichen Einsatz von knapp bekleideten jungen Frauen, verschiedenen Gewinnspielen und exklusiven Messegeschenken zu gewinnen. Genau in solchen Momenten wird mir klar, wie weit und vor allem wie schnell sich die Spieleindustrie in den letzten Dekaden entwickelt hat. Zocken ist heutzutage nicht nur ein Hobby von so genannten Nerds, sondern mittlerweile erreicht diese Branche jedes Alter und jedes Geschlecht, was man zum Teil auch an den vorgestellten Spielen und Produkten erkennen konnte.

Nachdem die Nintendo Wii Ende 2006 auf dem Markt gekommen war, erkannten die Konkurrenten Microsoft und Sony das Potential der bewegungssensitiven Steuerung und stellten auf der gamescom 2010 erstmals ihre zukünftigen Zugpferde vor. Während Sony mit PlayStation Move auf ein beinahe identisches Design und Konzept wie Nintendo setzt, geht Microsoft einen Schritt weiter und ermöglicht mit Kinect ein Spielerlebnis ohne jeglichen Einsatz eines Controllers. Mit dem Ziel, nicht nur Hardcore-Zocker zu bedienen, sondern auch ganze Familien für die Welt der Videospiele zu begeistern.

Aber es sind nur nicht nur die neuen und innovativen Konzepte, die zeigen, wie weit sich die Industrie entwickelt hat, sondern auch die Menschen, die die Messe besucht haben und voraussichtlich auch in der Zukunft weiter besuchen werden. Prominente Gesichter, die man ansonsten nur im Fernsehen zu sehen bekommt, kamen an bestimmte Stände, gaben Autogramme und Interviews und bereicherten so nicht nur die Messe, sondern zeigten auch der Außenwelt, dass Videospiele schon seit langer Zeit kein Nischendasein mehr fristen. Leider tauchten einige nur am ersten Tag auf, wo die Tore nur für das Fachpublikum offen standen. Hingegen zeigten sich manche Entwickler auch an den weiteren Tagen, standen für ihre präsentierten Spiele Rede und Antwort und wurden vom Publikum fast schon wie Stars frenetisch bejubelt.

Ich bin zwar noch vergleichsweise jung, aber dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass ein Event wie die gamescom es ist, vor knapp zwanzig oder dreißig Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Ich habe das Glück, den stetigen Fortschritt dieser Branche selbst mitzuerleben und ich schaue optimistisch in die Zukunft, denn meiner Meinung nach ist diese Entwicklung noch lange nicht am Ende angekommen.

If it bleeds, we can kill it

Die neuen intuitiven Bewegungssteuerungen haben zwar einen großen Teil der Messe ausgemacht, aber dennoch standen natürlich die eigentlichen Spiele im Mittelpunkt der Messe. Gleich zu Beginn des ersten Tages starteten wir mit den Multiplayer-Modi der Ego-Shooter Crysis 2 und Medal of Honor voll durch. Wer das Erstlingswerk schon gespielt hat, der wird sich auch in Crysis 2 sehr schnell zurechtfinden, denn das Grundkonzept wurde sehr gut beibehalten. Grafisch wurde das Ganze noch einmal aufpoliert, was mich ein bisschen skeptisch machte, denn immerhin galt Crysis vor knapp drei Jahren als ein Spiel mit sehr hohen Hardware-Anforderungen. Wie die Entwickler das beim zweiten Teil lösen möchten, bleibt für mich noch abzuwarten, aber immerhin erscheint der Sci-Fi-Shooter auch für die PlayStation 3 und die Xbox 360.

Während Crysis 2 bei mir einen sehr guten Eindruck hinterließ, so hatte es Medal of Honor schon deutlich schwerer, mich zu begeistern. Es lag sicherlich nicht an der Qualität des Spiels, sondern eher daran, dass es all das, was uns in diesem Spiel gezeigt wurde, schon in anderen First-Person-Shooter gab, und das in einer besseren Art und Weise. Unverkennbar sind die frappierenden Ähnlichkeiten mit dem Genre-Primus Call of Duty: Modern Warfare: Die Grafik, die Schauplätze und auch der Multiplayer-Modus an sich könnte glatt aus dem Hause Infinity Ward stammen. Da ich selbst ein großer Fan von Modern Warfare bin, hatte ich mit Medal of Honor auch hier meinen Spaß, aber ungeachtet der Ähnlichkeiten zwischen den beiden Titeln bleibt Call of Duty für mich dennoch die deutlich bessere Alternative.

Crysis 2 und Medal of Honor waren nur zwei Beispiele, denn auch dieses Jahr war das Ego-Shooter-Genre wieder sehr gefragt. Activision zum Beispiel präsentierte unter anderem den neuesten Teil der Call of Duty Serie, der mit dem Untertitel Black Ops erscheinen wird. Doch während die Entwickler uns letztes Jahr mit den exklusiven Spielszenen von Modern Warfare 2 förmlich aus den Sitzen gerissen hatten, wurden wir mit der diesjährigen Vorstellung eher enttäuscht. Das verschneite Szenario erinnerte uns an dasselbe aus der Vorstellung vom letzten Jahr und bis auf die explodierenden Armbrustbolzen überzeugte uns das gezeigte Level nicht sonderlich. Dennoch zweifle ich nicht daran, dass das Spiel ein durchaus tolles Spielerlebnis wird, da andere Trailer und Spielszenen deutlich die Qualität eines bemerkenswerten Ego-Shooters aufweisen. So aber verließen wir das kleine Lichtspielhaus eher ernüchtert und um das Genre rund um die First-Person-Shooter zu einem Ende zu führen, begnügte ich mich stattdessen mit dem dritten Ableger der berühmten Horror-Shooter-Reihe F.E.A.R..

Die ersten beiden Teile habe ich mit Begeisterung gespielt und so besuchte ich mit relativ hohen Erwartungen den abgeschotteten und durchaus morbiden Stand von Warner Interactive. Das blutverschmierte Sofa, auf dem ich Platz nahm, war quasi ein Aperitif auf das kommende Horrorszenario. Das besondere an F.E.A.R. 3 ist die Möglichkeit, die Story mit einem Freund im Koop-Modus zu spielen. In diesem Fall schlüpfte ich in die Rolle des Paxton Vettel, der hier als Geist seine Feinde zur Strecke bringt. Der zweite Spieler übernimmt die Rolle des Soldaten oder auch Point Man genannt. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass Vettel keinerlei materiellen Waffen besitzt, sondern als Geist lediglich die Gegner mit einer Art Plasmaschuss beschießt. Dennoch ist es möglich, sich den Körper eines gegnerischen Soldaten einzuverleiben und so in die Hände eines Maschinengewehrs oder einer Schrotflinte zu kommen. Eine zerstörte Brücke mit entsprechend aussehenden Zügen passte sehr gut zur postapokalyptischen Atmosphäre des Spiels, aber dennoch könnte man an der grafischen Leistung noch etwas feilen. Nachdem ich zehn Minuten selbst Hand an das Spiel legen konnte, war ich sehr positiv angetan von dem Spiel und Fans der Reihe können sich auf das altbewährte Rezept von F.E.A.R. verlassen. Viele Schocker und viel Blut. Sehr viel Blut.

Die Highlights auf der Bühne

Ego-Shooter und andere Spiele, die für jugendliche Spieler unter 18 Jahren nicht freigegeben sind, konnte man nur gegen Vorweisen eines roten Armbändchens hinter verschlossenen Türen anspielen. Dennoch wurden auch viele andere Highlights der Messe auf den für alle einsehbaren Bühnen vorgestellt. Einige dieser präsentierten Spiele konnte man dann sogar anspielen, um sich von der Qualität des Spiels selbst überzeugen. Einige dieser Stände machten einen sehr guten Eindruck und boten sowohl eine tolle Bühnenshow als auch ein tolles Aufgebot an Spiele-Highlights.

Besonders einen Stand habe ich noch sehr gut in Erinnerung und zwar den von Nintendo. Schon auf der E3 stahl das japanische Traditionsunternehmen den direkten Konkurrenten Sony und Microsoft mit seinen erfolgreichsten Videospielreihen die Show. Spiele wie The Legend of Zelda: Skyward Sword, Metroid: Other M, Kirby's Epic Yarn und Donkey Kong Country Returns waren schon auf der Messe in Amerika der absolute Hit und auch auf der gamescom konnte man einige dieser Spiele antesten. Ich habe erst vor ein paar Monaten Super Metroid für den Super Nintendo durchgespielt und freute mich deshalb auf den neuesten Ableger Metroid: Other M. Und auch hier hat mich Nintendo nicht enttäuscht. Als ich die ersten Spielszenen im Internet gesehen habe, war ich etwas skeptisch, was die Steuerung betrifft bzw. den Wechsel von der Schulterperspektive in die Egoperspektive. Die Lösung ist aber genauso simpel wie genial und genauso einfach durchzuführen. Indem man die Wiimote in eine vertikale Position bringt, wechselt man schnell und einfach in die Egoperspektive. Hier kann man dann wie in einem First-Person-Shooter die Gegner anvisieren und beispielsweise mit einer Rakete in die ewigen Jagdgründe schicken. Um die Ansicht wieder zu wechseln, dreht man den Controller dann ein weiteres Mal um 90 Grad. Gerade bei stärkeren Gegnern wird ein schneller Wechsel zwischen den beiden Perspektiven vorausgesetzt. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass ich sehr viel Spaß hatte und für mich war es auch das beste Spiel der gamescom. Schade nur, dass die beklemmende Atmosphäre der ersten Metroid-Teile nicht mehr vorhanden ist. Aber anhand der anderen Qualitäten des Spiels kann ich leicht darüber hinwegsehen.

Ein weiteres Highlight der gamescom war natürlich auch das neue Zelda: Skyward Sword, bei dem ebenfalls besonderen Wert auf eine präzise Steuerung gelegt wird. Das klappte wie auch schon in Metroid sehr gut und für mich ist der Titel besonders durch seine grafische Ähnlickeit mit dem Meisterwerk Ocarina of Time sehr interessant. Dennoch war die größte Überraschung des Nintendo-Standes das Auftreten des Sprechers von Mario, Luigi, Wario & Co., Charles Martinet. Mit Humor und unglaublicher Sympathie beantworte er Fragen, wie er zum Beispiel zu seinem Job gekommen ist und was er so eigentlich den lieben langen Tag alles macht. Sprecher des weltweit berühmten Mario ist Martinet durch ein Vorsprechen in Las Vegas geworden. Zudem er anfangs eigentlich überhaupt nicht eingeladen war. Aber irgendwie haben ihn die Verantwortlichen einfach noch dazwischen geschoben und nachdem er die Jury mit seiner Stimme überzeugte, nahm alles seinen Lauf und den Rest kennen wir ab diesem Zeitpunkt ja alle.

Es gab noch so viel mehr, was der Nintendo-Stand zu bieten hatte, wie zum Beispiel das neue Professor Layton, bei dem man schon zum mittlerweile dritten Mal mit Hirn, Charme und Methode verschiedene Kopfnüsse knacken muss. Dann das schon angesprochene Kirby's Epic Yarn oder der herunterladbare Inhalt für das Square Enix-Rollenspiel Dragon Quest IX.

Im Jahre 2008 hat sie bei Ubisoft angefragt, ob sie noch jemanden für die Messemoderation auf der Games Convention suchen, weil sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für GIGA auf der Bühne stand. Die Rede ist natürlich von Vio, die von diesem Zeitpunkt an die Moderation auf der Games Convention und der gamescom für Ubisoft in ihre Hände nahm. Auch dieser Stand überzeugte in puncto Show und Spiele, was unter anderem an dem sogenannten Goodie Swap lag, der letztes Jahr eingeführt wurde. Hier konnten ungeliebte und doppelte Messe-oodies von anderen Ständen gegen T-Shirts zuMichael Jackson: Das Spiel oder Assassin's Creed: Brotherhood umgetauscht werden. Dennoch war die Anzahl der T-Shirts begrenzt, so dass manch einer enttäuscht sein Goodie wieder einstecken musste. Was mit den eingetauschten Messe-Geschenken jedoch im Nachhinein passiert, weiß noch nicht einmal Moderatorin Vio. Ob diese nun weiter verschenkt werden liegt bislang noch im Unklaren.

Spieletechnisch stellte Ubisoft unter anderem das schon erwähnte Assassin's Creed: Brotherhood vor, den zweiten Ableger des Tanzhits Just Dance, wobei das Spiel mit zwei professionellen Tänzerinnen auf der Bühne präsentiert wurde, und natürlich hatte Ubi auch wieder die allseits geliebten Rabbids mit im Gepäck.
Assasins Creed: Brotherhood und Michael Jackson: Das Spiel habe ich mangels Interesse nicht gespielt, aber ein paar meiner Freunde waren schlichtweg begeistert von dem neuen Abenteuer von Ezio.
Wilde Party-Games verspricht auch das neue Raving Rabbids: Die Verrückte Zeitreise, in dem die verrückten Rabbids mit einer Waschmaschine durch die Zeit reisen. Lustigerweise musste ich dabei an Zurück in die Zukunft denken, da hier anfangs ein Kühlschrank als Zeitmaschine dienen sollte. Dennoch machten die Party-Games vor allem zu viert sehr viel Spaß.
Das erste Just Dance hat sich trotz der teilweise negativen Kritiken sage und schreibe knapp 4 Millionen Mal verkauft und war für Ubisoft somit das erfolgreichste Wii-Spiel 2009. Da ich nicht wirklich tänzerisch veranlagt bin, verzichtete ich lieber auf eine Kostprobe der zweiten Auflage, aber soweit ich das beurteilen konnte, hatten andere Messebesucher sehr viel Spaß mit dem Tanzspiel.

Tanzspiele waren generell schwer angesagt auf der Messe, gerade durch die neue Technologie, die Microsoft mit Kinect anbietet. Konami zum Beispiel bringt den neuesten Ableger ihrer schon längst auf dem Markt etablierten Dance Dance Revolution-Serie exklusiv für die Xbox 360 plus Kinect unter dem Namen Dance Evolution heraus. Es war toll zu sehen, wie professionelle Tänzer ohne Einfluss irgendeines Controllers oder sonstigen Peripherien ihre echten Tanzmoves zeigten. Aber wie schon bei Just Dance 2 ist das ganze nicht wirklich was für mich. Dafür habe ich bei Kinect Sports im Sprinten gegen einen kleinen Jungen verloren.
Abgesehen von Dance Evolution hatte Konami noch einige andere Titel im Programm, die ich zum Großteil aber leider nicht gespielt habe. Darunter fiel das nervtötende Def Jam: Rapstar, für das es sogar eine eigene Bühne gab, auf der deutsche Rap-Größen wie Olli Banjo, Das Bo, Azad und Marteria ihre Musik zum Besten gaben. Für mich hingegen interessanter war Castlevania: Lords of Shadow, das ich wegen des konstanten Besucheransturms nicht spielen konnte bzw. für das ich schlichtweg nicht so lange anstehen wollte. Dennoch konnte ich eine Runde Pro Evolution Soccer 2011 gegen den deutschen Meister Dennis Winkler in PES zocken und wurde ordentlich vermöbelt. Aber dafür, dass ich das letzte Mal ein Fußballspiel vor knapp einem Jahr gespielt habe, war ein 5:0 doch nicht allzu schlecht.

Wenn ich nicht gerade einen dieser Stände aufsuchte, dann schlenderte ich eher gemächlich durch die Hallen und schaute mir beispielsweise eine Präsentation von Fable 3 an. Grafisch und stilistisch ähnelt das Spiel Gothic und The Elder Scrolls: Oblivion. Aber was mir sehr gut gefiel, war das Inventar-System, das mich schwer an das von dem Super Nintendo-Klassiker Terranigma erinnerte. Fans des Spiels wissen, dass man hier durch Knopfdruck in sein Inventar kommt und darin teilweise frei herumlaufen und die verschiedenen Räume, wie Waffen- oder Rüstungskammer, durchforsten kann. Ein Entwickler berichtete während der kurzen Demo über das Spiel und gab uns Informationen, die man im späteren Spiel erwarten kann. Jedoch durfte er nicht zu viel verraten, weswegen Neuigkeiten oder Erklärungen eher spärlich waren.

Des Weiteren besuchte ich das Kino am Square Enix-Stand, der, wie schon letztes Jahr, Final Fantasy XIV als Haupttitel in der Präsentation hatte. Im kleinen Filmtheater wurde uns ein längerer Trailer und anschließend ein Gameplay-Video zu Final Fantasy XIV gezeigt, das mich aber mangels Interesse am MMORPG-Genre relativ kalt ließ. Interessant hingegen waren die Trailer, die im Anschluss folgten. Dabei war ein ziemliches blutiges Action-RPG mit dem Namen Lord of Arcana, das wegen des Gameplays mit der in Japan sehr berühmten Monster Hunter-Serie verglichen wird. Freunde von Hack 'n' Slay-Spielen sollten sich trotzdem noch etwas gedulden, denn das Abenteuer für die PSP hat noch keinen vorläufigen Europa-Termin. Diesen hingegen hat Final Fantasy: The 4 Heroes of Light, das in Japan schon seit knapp einem Jahr draußen ist und in Europa am Anfang Oktober in den Regalen stehen wird. Angetestet habe ich das Rollenspiel schon am Nintendo-Stand und war speziell von dem Grafikstil angetan, der zwar eher ein jüngeres Publikum ansprechen soll, aber durch den einzigartigen Charme auch für ältere Rollenspiel-Fans interessant sein dürfte.

Last but not least wurde ein Game kurz vorgestellt, auf das ich schon die ganze Zeit gewartet habe. Ein neuer Trailer zu 3rd Birthday, dem dritten Teil der meiner Meinung nach fast schon unterschätzten Parasite Eve-Reihe. Da es sich hierbei nur um ein Spin-Off handelt, wurde der Zusatz Parasite Eve weggelassen. Zu dem Spiel selbst muss ich sagen, dass ich sehr überrascht war, dass es sich hierbei mehr um einen Third-Person-Shooter handelte, es generell sehr actionlastig aussah und der Horror-Faktor, der die Vorgänger ausmachte, scheinbar komplett weggelassen wurde. Aber da das Spiel selbst in Japan spätestens nächstes Jahr herauskommen wird, kann auch da noch einiges passieren.

Diese Präsentation besuchten wir am letzten Tag der Messe und von den neuesten Spielen, Technologien und Produkten hatte zumindest ich genug, aber die gamescom wäre nicht so groß, wenn es nicht auch Stände gäbe, die sich weniger mit neuen als mit alten Videospielen beschäftigten...

Back To The Roots

Auf der Homepage der gamescom steht geschrieben, dass man "die neuesten und besten Spiele entdecken soll". Entdeckt habe ich definitiv beides, aber die besten Spiele waren mitnichten die neuesten, sondern die alten Spiele, die man beim Haus der Computerspiele zocken konnte. Hier wurden nicht nur seltene Exponate aus vier Jahrzehnten vorgestellt, sondern man konnte mit einigen dieser Heimcomputer selbst spielen - und die Auswahl beschränkte sich nicht nur auf SEGA, Nintendo und Sony, sondern es war auch möglich, seltene Konsolen mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Nintendos Virtual Boy, Neo Geo, Vectrex und Atari sind nur wenige Beispiele, denn da der Stand vergleichsweise groß war, konnte man an jeder Ecke eine andere Konsole aus vierzig Jahren Videospiel-Geschichte betrachten. Für mich haben Retro-Spiele und –Konsolen schon immer einen außerordentlichen Reiz gehabt und so war es nicht verwunderlich, dass ich sehr viel Zeit dort verbrachte. Dies fiel auch den Sammlern des Retro-Standes auf, so dass sich eine begeisterte Konsolen-Spielerin zu mir gesellte und unter anderem meine Fragen zum Stand und den Ausstellungsstücken beantwortete.

Yasemin Bösing und ihr Mann Stefan erweitern seit Jahren stetig ihre Sammlung und haben im Rahmen verschiedener Ausstellungen, darunter natürlich auch die gamescom, ihre schönsten Stücke mit den Heimcomputern und Konsolen von René Meyer, seines Zeichens Autor von mehr als 70 Büchern rund um die Welt der Computerspiele und Betreiber der Internetseite Mogelpower.de, zusammengetan. Auf der Games Convention 2007 stellte René Meyer nicht nur zum ersten Mal seine Retro-Sammlung vor, sondern auf demselben Event wurde er auch in das "Guinness Buch der Rekorde" für die weltweit größte Konsolen-Sammlung aufgenommen. So eine Kollektion kommt natürlich nicht von irgendwo her und so erzählte Yasemin, dass sie viele ihrer Spiele oder Konsolen von Flohmärkten, Börsen und natürlich auch aus dem Internet beschaffen. Wir waren uns beide einig, dass man gerade auf Flohmärkten viele Retro-Spiele zu einem vergleichsweise günstigen Preis bekommen kann. Ich war schon von dem ersten Besuch an fasziniert von der Auswahl, da ich viele Konsolen nur aus irgendwelchen Videos her kenne, wie zum Beispiel Nintendos berüchtigten Virtual Boy. Von diesem Handheld besitzen sie bis auf zwei Spiele die komplette Sammlung. Yasemin zeigte mir auch einige Konsolen-Zusätze, die zum größten Teil nur in Japan erschienen sind. Dazu zählt das Nintendo Satellaview, ein Add-On, das man unter den Super Nintendo andocken musste und damit per Satellit Spiele, Demos und Informationen herunterladen konnte. Aber auch Raritäten wie das Super Nintendo-Rollenspiel Chrono Trigger, das noch in der fast unversehrten Orginalpackung ausgestellt wurde, sorgten dafür, dass ich die meiste Zeit mit offenem Mund die Vitrinen musterte. Auch die Nintendo 64-Version des Horrorspiels Resident Evil 2 sorgte bei mir für große Begeisterung. Das Nintendo 64 ist auch die Lieblingskonsole von Yasemin Bösing. Die Frage, welches ihr Lieblingsspiel sei, war eher rhetorischer Natur, denn bei Super Mario 64 und Zelda: Ocarina of Time geriet sie förmlich ins Schwärmen.

Für mich war es insgesamt sehr schön zu sehen, dass nicht nur ältere Zocker mit Konsolen aus ihrer Zeit gezockt haben, sondern sich auch jüngere Spiele für solche Retro-Spiele begeistern konnten. So konnte man beobachten, wie Jugendliche eine Runde Super Mario Kart spielten oder einfach mal den alten Joystick in die Hand nahmen und mit Pac-Man auf Jagd gingen.

Doch das Haus der Videospiele war nicht der einzige Teil des Retro-Standes, der sich mit den Videospielen der älteren Generation auseinandersetzte, sondern auch im Gaming-Magazin RETURN dreht sich alles um die 8-Bit-Computerszene. Mit dem Slogan "Das Magazin für die Generation C64" möchte man darauf aufmerksam machen, dass die "gute alte Zeit" auch noch heute lebt. Vom Apple bis zum Vectrex werden hier Interviews geführt, Reviews geschrieben und viele Informationen über die heutige Retro-Szene werden hier detailliert beschrieben. Denn auch noch im 21. Jahrhundert gibt es findige Entwickler, die beispielsweise noch für den Commodore 64 Spiele programmieren und zum Download ins Internet stellen. Auch hier stand mir mit Ulrike Erstling eine fachkompetente Person zur Seite, die mir alle Informationen rund um das RETURN-Magazin bereitstellte und auch einige meiner Fragen beantwortete. Ihr Mann, Frank Erstling, ist sowohl Chefredakteur als auch Herausgeber des Magazins und sorgt mit seinen fünf weiteren Mitarbeiter dafür, dass das Heft alle drei Monate rechtzeitig erscheint.

Kreieren und konsumieren

Auf der gamescom konnte man weit über hundert Games zocken, aber wie sieht es aus mit der Möglichkeit, Videospiele selbst zu entwickeln? Genau dafür hatte die Games Academy auch einen Stand auf der Messe. Projektleiter Patrick Lehrmann erklärte mir, dass sich viele Jugendliche schon im Voraus über die Games Academy informiert haben und auf der gamescom sehen können, dass es sie "wirklich gibt". Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vor einigen Jahren auch Interesse an einem solchen Studium gezeigt hatte, ich jedoch von den relativ hohen Kosten abgeschreckt wurde. Natürlich hat auch das einen Hintergrund und zwar begründet es sich darin, dass die Akademie selbst keinerlei Lehrer oder Dozenten beschäftigt. Für die Seminare werden Entwickler von bekannten und renommierten Spieleunternehmen engagiert, für die es neben der Entlohnung auch andere Kosten, wie zum Beispiel die Unterkunft, zu decken gilt.

Den Studiengang im ersten Semester kann man sich unter anderem wie folgt vorstellen: Den Studenten wird ein bestimmtes Thema vorgelegt, wie zum Beispiel ein Spiel im Stil von Mario zu machen, für das sie dann insgesamt vier Monate Zeit haben. Besonders bei der Art und Weise, wie die Studenten ihr Spiel gestalten, haben sie freie Bahn. Hier können sie ihre kreative Ader zeigen, denn ihnen bleibt in dieser Hinsicht alles selbst überlassen.
Das Spiel, das mir vorgestellt wurde und das den charmanten Namen Sui & Cide hatte, war ein Jump 'n' Run-Adventure wie Mario und hatte sogleich noch Elemente aus dem Klassiker Lemmings. Wie schon in den Abenteuern des Klempners wird hier gerannt und gehüpft, doch kommt hier der Aspekt des selbstmordgefährdeten Cide hinzu, den man in bester Lemmings-Manier herumschlägt oder stoppt, nur um ihn ungefährdet in das nächste Level zu bringen.
Zum Ende hin gab mir Herr Lehrmann noch eine CD mit, die voll gepackt ist mit verschiedenen Trailern, Bildern und sogar einigen Studentenspielen, darunter auch Sui & Cide.

Wenn man knapp sieben Stunden am Stück nur in einer Schlange oder vor einer Bühne steht, Videospiele zockt und sich darüber unterhält, dann ist man irgendwann so erschöpft, dass man nur noch abschalten und die Füße hochlegen möchte. Genau so einen Stand haben wir mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gefunden, die unter anderem mit einer eingebauten Küche die ausgelaugten Zocker anlockte. Hier konnte man mit Hilfe einer Mitarbeiterin ein leckeres und vitales Essen kochen. Wir haben zum Beispiel an einem Tag Vollkornnudeln mit verschiedenen Arten von Gemüse gezaubert und es war köstlich! Wenn man zu faul zum Kochen war oder man einfach keinen Hunger hatte, dann bot die "Gutdrauf"-Aktion der BZgA an, es sich noch auf einen Liegestuhl bequem zu machen und mit Gurken auf den Augen das Wort Entspannung neu zu definieren. Meine Aufmerksamkeit lag die meiste Zeit jedoch bei den Jonglierbällen, da ich schon immer mal das Jonglieren mit drei Bällen lernen wollte. Am Ende der gamescom, man mag es kaum glauben, konnte ich es tatsächlich ziemlich gut.

All diese Möglichkeiten, die der BZgA Stand anbot, hatten natürlich einen tieferen Sinn und so erklärte mir Cornelia Schlenz, eine Diplom-Pädagogin, dass sie durch ihre Aktion einen gesunden Ausgleich für die Jugendlichen schaffen, indem sie gemeinsam kochen, entspannen und sich anderen Tätigkeiten widmen. Frei nach dem Motto "kreieren und konsumieren". Die BZgA war nicht die einzige Organisation, die sich für ein solches Ziel einsetzte und aus diesem Grund schlossen sie sich mit dem Jugendforum zusammen, um somit leichter von den jungen Messebesuchern entdeckt zu werden. "Gutdrauf" ist nur eine Aktion der BZgA. Themen wie Suchtprävention und ernährungsbedingte Krankheiten fallen auch in ihr Aufgabengebiet. Nähere Information gab es natürlich auch in Form verschiedener Broschüren, die alle Aufgaben der Bundeszentrale erklären und zusammenfassen.

Hätte ich vor der gamescom behauptet, dass ein Stand, der rein gar nichts mit Videospielen zu tun hat, zu einem meiner Lieblingsständen der gesamten Messe werden würde, ich hätte mir wahrscheinlich selbst den Vogel gezeigt. Aber es war tatsächlich so, dass ich dort sehr viel Spaß hatte. Was daran lag, dass alle Helfer des Standes sehr freundlich waren und ich mit dem Jonglieren ein neues Hobby gefunden habe. Ich hoffe inständig, dass die BZgA auch nächstes Jahr auf der gamescom vertreten sein wird, denn wenn nicht, wo sonst soll ich gratis meinen Hunger mit leckeren und gesunden Gerichten stillen?

Ein gutes Jahr

"Die gamescom ist und bleibt ein Muss für mich, und zwar sowohl in beruflicher Hinsicht, als auch um Freunde und Fans zu treffen", meinte Vio. "Für uns als Erstaussteller war die gamescom ein großer Erfolg, da wir viele wichtige Kontakte knüpfen konnten", sagte Yasemin Bösing. Und auch der Geschäftsführer der Kölnmesse GmbH, Olive P. Kuhrt, fasste die gamescom mit den Worten "Es ist uns gelungen, die gamescom dieses Jahr noch größer und internationaler aufzusetzen" zusammen. Ich kann mich diesen Ansichten über die gamescom 2010 nur anschließen. Für mich persönlich war es ein besonderes Jahr, da ich, wie schon am Anfang erwähnt, viele neue Bekanntschaften gemacht habe. Bedanken möchte ich mich bei meinen Freunden, die mich zeitweise durch den Dschungel der gamescom begleitet haben und auch bei den netten Kollegen von Zockerhausen.de, mit denen ich das Vergnügen hatte, sie einmal aus nächster Nähe kennen zu lernen. Meine tiefste Verbundenheit gilt dennoch all jenen Personen, die sich meinen Fragen mit Geduld gestellt und mich des Weiteren mit den Informationen und Materialien versorgt haben, die diesen Artikel zu dem gemacht haben, was er jetzt ist. Die gamescom hat für dieses Jahr ihre Tore geschlossen, aber ich freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem es wieder heißt: "Celebrate the games!". Auf der gamescom 2011!

Quelle: 
Zabucracker, Wikipedia; Bilder: Zabucracker und Hanny

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Kommentare

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Saugeiler Bericht! Tiefer

Saugeiler Bericht! Tiefer Respekt dafür...

Ich habe nur ne kleine Kurzzusammenfassung geschrieben: http://www.darkvamp.de/2010/gamescom-2010/

Bild von Moe

In Absatz 47 Zeile 16 fehlt

In Absatz 47 Zeile 16 fehlt ein Komma!
Mannomann, wohl mal wieder hastig in 5 Minuten hingeschludert den Schrieb. Tzz, Amateure ey! -.-
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Nee, mal im Ernst, reschpäckd für die Mühe.
Hab den Text aber nur etwas überflogen, ist doch gaaanz schööön laaang...

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So, für mein Foto bekomm ich

So, für mein Foto bekomm ich erstmal 3,73 Millionen Euro auf mein schweizer Konto überwiesen, erst danach gibts Lob für den Bericht!

Bild von Zabucracker

Donna Darko wrote:So, für

Donna Darko wrote:
So, für mein Foto bekomm ich erstmal 3,73 Millionen Euro auf mein schweizer Konto überwiesen, erst danach gibts Lob für den Bericht!

Ok, Kontonummer und PIN bitte. Dann überweis ichs dir. :)

Bild von fox_sb

Schöner Bericht! Gefällt mir,

Schöner Bericht! Gefällt mir, dass du uns nicht nur mit deinen Eindrücken zu Spiel XYZ, sondern auch mit ein paar interessanten Hintergrundinfos über Stände versorgst, die vielleicht jetzt nicht unbedingt zu den Eyecatchern zählten.