Die Geschichte der Retro-Börse - Alles hat seinen Anfang...

Bild von Benni
Retro

Foto307_0.jpgMit bisher sieben erfolgreichen Börsen und Ableger in Rosenheim und Wien, wurde die Retro-Börse in Bochum von einem Geheimtipp zum angesagten Treffpunkt für Videospieler, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus anderen europäischen Ländern wie Holland, Belgien oder England.
Doch bevor die Börse an sich näher beleuchtet wird, klären wir eine ganz andere Frage: Was ist eigentlich Retro?

Classic, Old School, Altbacken, Antik, Klassisch, Bewährt, 8-Bit, 16-Bit, Holzig

Es liegt in der Natur des Menschen, für alles auf dieser Welt eine Begründung zu suchen. Antworten zu finden, um seine Neugier und seinen Wissensdurst zu stillen. Bei manchen Begriffen jedoch, wird es schwierig eine Definition zu finden, die jedermann akzeptiert und der er zustimmen kann. Das Wort Retro ist einer dieser Begriffe und in der Welt der Videospiele genießt es den Ruf als Ursprung für die Generation der Heimcomputer und –konsolen.
Oder doch nicht? Sind Retro-Spiele wirklich nur große, alte Module, welche man früher in klobige, staubige Konsolen gesteckt hat?

Jens Klöpfel, der Veranstalter der Retro-Börse, meint, dass für ihn etwas schon zum alten Eisen gehört, wenn Spiele oder Konsolen nicht mehr im Laden zu kaufen sind. Für RETURN-Herausgeber Frank Erstling hingegen wird die Grenze schon sehr früh gezogen. Die Heimcomputer von Amiga sind für den Redakteur schon fast zu modern und für Aussteller Oscar aus Belgien gelten alle Spiele bis zum Jahre 1999 noch als Klassiker der Retro-Szene.
Man könnte nun behaupten, dass diese Meinungen weit auseinander gehen, aber im Grunde sagen sie alle das Gleiche aus. Nämlich das jeder Videospieler, unabhängig von Alter und Geschlecht, selber bestimmen kann, was für ihn Retro ist oder nicht. So kann für manch einen Final Fantasy VIII Retro sein, während für andere das erste Super Mario in diese Kategorie fällt. Viele verbinden Retro mit dem, was sie in ihrer Kindheit früher gespielt haben oder wie ihre Begeisterung für Videospiele begonnen hat. Es wäre also falsch, eine klare Linie zu ziehen, was Retro ist und was nicht. Versuchen, etwas zu definieren, was für jeden Menschen Ansichtssache ist. Das Wort Retro kommt aus dem lateinischen und bedeutet wortwörtlich übersetzt "rückwärts". Für uns heißt das, dass wir sozusagen einen Schritt rückwärts in unsere eigene Vergangenheit machen. Einen Schritt, den jeder für sich selber machen muss.

Einer für alle und alles für alle!

Es ist der 1. Oktober 2005 und ein kleiner Raum im Bochumer Kolpinghaus wird zum Treffpunkt für Videospieler und Sammler. Die Geburtsstunde der ersten Retro-Börse in Bochum. Die Idee eine solche Börse zu organisieren, kam den Veranstaltern rund um Jens Klöpfel, bei einem der Sammlertreffen, die sich die EuroCon nennt. Diese findet einmal pro Jahr in den verschiedensten Ländern in Europa statt und ist vom Aufbau her ähnlich wie die Retro-Börse. Nur mit dem Unterschied, dass sich die Teilnehmer vorher online anmelden müssen und die Besucherzahl begrenzt ist. Im Rahmen dieser Veranstaltung dachte man sich, dass es durchaus eine nette Idee wäre, die Pforten für alle Interessenten zu öffnen. Anhand eines Flyers wurde Werbung gemacht und zur Überraschung aller erschienen 70 Leute, die im Nachhinein unbedingt "mehr" wollten. Dieser Wunsch wurde erfüllt und für die zweite Börse zogen die Veranstalter vom Kolpinghaus in das größere Jugendzentrum Falkenheim, wo sie bis zum heutigen Tage noch stattfindet.

Mit jeder weiteren Veranstaltung kamen auch immer mehr Besucher, aber trotz dieses Ansturms gab es keinerlei Schwierigkeiten, die die Organisatoren dazu veranlassten, etwas an der aussichtsvollen Börse zu ändern. Der Grund dieses Erfolges liegt für Jens Klöpfel bei den Menschen, die den Wunsch nach einer solchen Veranstaltung hatten, es aber bisher keinerlei Bedarf gab. Auch durch die heutigen Konsolen, die viele Klassiker zum Download anbieten, werden die älteren Spiele bekannter und vor allem auch leichter zugänglich. Diese Hülle und Fülle an Videospielen und Konsolen werden von den zahlreichen Ausstellern aus aller Herren Ländern angeboten, von denen viele auch persönlich mit Jens Klöpfel befreundet sind. So hatten die Veranstalter von der ersten Börse an, sowohl ein Angebot, als auch eine nicht geringe Nachfrage. Diese Nachfrage war scheinbar so groß, dass die Retro-Börse in zwei weiteren Städten vertreten ist. Sowohl im bayrischen Rosenheim, als auch in Wien wird seit einiger Zeit fleißig gekauft und verkauft. In Rosenheim findet im Juli die zweite Börse statt, während die Bewohner der schönen österreichischen Hauptstadt im kalten Dezember die Veranstaltung schon zum dritten Mal besuchen können. Anfragen nach weiteren Ablegern kommen immer wieder, aber die Marke wird natürlich nicht an jedem vergeben. Da Jens Klöpfel selber nur die Börse in Bochum veranstaltet, gibt er lediglich den Leuten seine Zustimmung, die er persönlich kennt und auch das Potential besitzen, welches benötigt wird um eine solche Veranstaltung zu planen.

Dieses Wachstum stellt Jens Klöpfel jedoch gerade nach der siebten Börse in Bochum vor ein noch zu lösendes Problem. Denn die Räumlichkeiten, die das Jugendzentrum bereitstellen kann, sind auch nur begrenzt und genau an diese Grenze ist die Veranstaltung nach jährlich steigenden Besucherzahlen mittlerweile angekommen. Doch trotz dieser platztechnischen Hürde, blickt die Marke der Retro-Börse einer viel versprechenden Zukunft entgegen. Denn auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. Und Videospieler wissen schon seit Anbeginn des Irrsinns, wie man mit nur wenigen Steinen, eine Menge Spaß haben kann.

Quelle: 
Zabucracker

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