
Die Hitman-Reihe um den glatzköpfigen, genetisch hochgezüchteten Auftragskiller mit dem schlichten Codenamen „47“ ging frisch zur Jahrtausendwende an den Start und zog seitdem mehrere Nachfolger auf vielerlei Plattformen nach sich, denen eine treue Anhängerschaft des Schleich- und Meuchelgenres nachwievor die Stange hält. Zockerhausen-User Judeau hat den zweiten Teil der Killer-Saga auf der PS2 gespielt und präsentiert seinen Test ausnahmsweise einmal wortwörtlich aus seiner ganz persönlichen Sicht.

Die Geschichte ist so schnell erzählt, wie sie belanglos ist. Der im Reagenzglas gezüchtete Auftragsmörder, den die Welt nur unter seinem berüchtigten Pseudonym „Nummer 47“ kennt, hat sich – ausgerechnet – in ein sizilianisches Kloster zurückgezogen, um dort seine gewalttätige Vergangenheit aufzuarbeiten. Dummerweise laufen seine Wünsche nicht konform mit der ortsansässigen Mafia, die kurzerhand 47' Priestermentor entführt, um den zur Ruhe gesetzten Killer zurück ins Business zu zwingen. Natürlich lässt sich ein Assassine solchen Formats nicht von Macho-Mafiosis unter Druck setzen. Stattdessen will er Gewalt mit Gegengewalt vergelten und macht sich auf, um den Don persönlich zur Rechenschaft für diese offenbar nicht ganz durchdachte Tat zu ziehen. Und hier beginnt die erste Mission des Spiels.
Auftrag: Beseitigen Sie einen Mafioso in seiner schwer bewachten Villa.
Vorbereitung: Mit ein paar Kröten Startgeld kaufe ich unterschiedliche Tools und Waffen - so weit, so gut.
Ich starte auf einem Hügel und beobachte mit dem Fernglas die Villa, checke die Wachmänner und deren Laufrhythmus. Es bieten sich drei offensichtliche Alternativen zur Infiltration:
a.) Ich schalte den Postboten aus, der gerade die Straße hochkommt, streife mir seine Klamotten über und marschiere durch den Haupteingang.
b.) Ich schalte einen Bodyguard aus, der gerade aus einem Seitentor kommt, um an einen Strauch zu pinkeln und dabei unachtsamerweise die Tür hat offen stehen lassen.
c.) Am Lieferanteneingang steht ein Wagen, von dem mehrere Personen Kisten abladen. Ich könnte einen der Jungs aus dem Weg schaffen und dann seine Identität annehmen, um mich ins Haus hinein zu schleichen.
1. Anlauf: Ich laufe den Hügel herunter und will den Briefboten, während er seine Briefe durchsieht, von hinten überfallen. Leider übe ich dabei kurzzeitig etwas zu viel Druck auf den Analogstick aus und laufe dadurch kurz zu schnell. Der Bote hört mich, dreht sich um, ihn ergreift, weiß der Geier warum, die Panik und er rennt zum Tor, wo er die Wächter benachrichtigt, die den Alarm aktivieren und Jagd auf mich machen - Mission gescheitert. Fazit: Erstaunlich, was alles passieren kann, bloß weil ein Postbote feststellt, dass jemand von hinten auf ihn zukommt. Klar, der gute 47 sieht nicht nach dem keksverkaufenden Pfadfinder aus, aber eine solche Reaktion zwischen zwei völlig Fremden finde ich etwas übertrieben.
2. Anlauf: Peinlich genau achte ich darauf, dieses Mal nicht zu schnell zu laufen, ehe ich den Postboten mit der vollen Dosis Chloroform ausschalte - der gute Hitman killt schließlich für die volle Punktzahl nur die Zielperson, wie die Spielanleitung verständlich macht und gleichzeitig versichert, dass es immer eine Möglichkeit gibt, das Ziel ohne Kollateralschäden zu beenden. Dann die Uniform übergestreift und durch den Haupteingang spaziert - bloß nicht zu schnell laufen; wer weiß, wie verdächtig das wirken würde. Die Wachen durchsuchen mich und finden meine Schusswaffe im Holster. Alarm - Verfolgung - Mission gescheitert. Mein Fehler, zugegeben.
3. Anlauf: Postbote - Chloroform - Kleidung - Waffe in den Busch geschmissen - Haupteingang. Endlich werde ich durchgelassen. Ich marschiere die Auffahrt hoch und gebe mein Paket am Eingang ab. Dummerweise weigern sich die Wachmänner, mir Einlass zu gewähren, um dem Don das Paket persönlich zu überreichen. Als ich nicht wieder schnurgerade die Auffahrt runterlaufe, findet ein Wächter mein Verhalten verdächtig. Gleichzeitig kommt der halbnackte Postbote ans Tor gelaufen (sollte der nicht betäubt sein?): Alarm - Verfolgung - Mission gescheitert - Frust.
4. Anlauf: Ich lasse den Postbotenplan fallen und stelle mich stattdessen mit einem frisch gekauften Scharfschützengewehr auf den Hügel. Dort warte ich, bis der Don bei dem strahlenden Wetter den Balkon betritt und schieße ihm die Rübe runter. Ein Grinsen geht über mein Gesicht - das mir gleich wieder vergeht, als ich versuche, das Level über die Auffahrtstrasse zu verlassen: "Sie brauchen ein Fahrzeug, um zu entkommen!" - BITTE, WAS??? Ich erinnere mich an die Garage auf dem Grundstück, die jetzt natürlich vollständig überwacht wird: Mission gescheitert. Wie bin ich eigentlich auf den dämlichen Hügel hinauf gekommen? Vom Kloster aus gelaufen?
5. Anlauf: Ich beschließe, dem Buschbesudler den Garaus zu machen und bringe ihn mit der Klaviersaite um die Ecke (die Sache mit dem halbnackten, plötzlich wieder erwachten Postboten noch im Hinterkopf), ehe ich mich in seiner Bodyguardkleidung aufs Grundstück schleiche. Normalen Schrittes dringe ich durch den Keller in das Gebäude ein. - Freilich werde ich beim Versuch, zum Don vorzudringen, mehrfach erwischt und die Mission vorzeitig beendet, aber ich erspare uns allen die detaillierte Ausführung - inzwischen weiß wohl jeder, worauf ich hinaus will.
Schließlich - nach wahrlich unzähligen Anläufen - gelingt es mir, den Don in seinem Zimmer zu überraschen und ihm mit dem dort stehenden Golfschläger den Schädel einzuschlagen, ohne sonstige Menschenopfer. Ich schleiche mich vorsichtig wieder aus dem Haus hinaus und gehe Richtung Garage, um dort mit dem Sportwagen durch das Tor auf und davon zu brettern - Denkste: Der Schlüssel steckt nämlich nicht und logischerweise ist unser böser, krimineller, genetisch verbesserter Elite-Hitman zu blöde, ein Auto kurzzuschließen. Ein lauthals geschriener Fluch jagt den nächsten.
Ich also wieder zurück ins Haus - aber: Wo ist denn nun dieser bek***** Fahrzeugschlüssel? Wer von den Pe***** trägt den jetzt mit sich rum? Mir bleibt also, mangels ausreichend Chloroform im Gepäck, nichts anderes übrig, als nach und nach, einen nach dem anderen, umzulegen, auf der Suche nach dem Autoschlüssel – pervertiertes Gameplay, ahoi! Dabei richte ich ein ordentliches Blutbad an, denn treu nach Murphy's Gesetz ist natürlich der letzte Gangster - kein Scherz -, den ich aus dem Weg räume, der Halter des Schlüssels. Nachdem das Gelände also vollständig befriedet ist, setzte ich mich gemütlich in den Wagen und fahre davon...
Von Zeitschriften und Internet-Kritikern gleichermaßen gelobt, war Hitman 2 seinerzeit ein echter Meilenstein für viele erwachsene Spieler. In seiner grafischen Präsentation leistet sich das Spiel auch nahezu keine Fehler. Präsentation, Atmosphäre, Animation – alles bewegt sich auf außerordentlich hohem Niveau, selbst für modernere PS2-Titel. Einziger und schwerwiegendster Kritikpunkt ist aber das durch und durch einsteigerunfreundliche Try-and-Error-Gameplay, dass auf der einen Seite mit realistischen KI-Reaktionen wirbt, sich auf der anderen Seite aber völlig unnötige Realismus-Schnitzer leistet.
Somit beschert Hitman 2 nicht nur Neueinsteigern ein dickes Frusterlebnis nach dem anderen, sondern stellt auch noch sein eigenes Spielprinzip auf den Kopf, indem es in vielen Leveln leichter und deutlich schneller geht, wenn man anstelle des geschickten Meuchelmörders den hummelgestochenen Amokläufer spielt und alles mit der Vollautomatik niedermäht, was so dumm ist, einem vor dem Lauf zu marschieren. Größte Ironie dabei ist, dass nach all der vermeintlichen Schleicherei das letzte Kapitel des Plots mit einem waschechten Shootout im sizilianischen Kloster aufwartet, bei dem der Spieler dann geordnet die Sau herauslassen kann. Und da hatte ich dann, nach allen durchgestandenen nervlichen Torturen, endlich einmal etwas zu lachen...
Getestet wurde die PS2-Version. Hitman 2 ist auch für PC, Xbox und GameCube erschienen.
Kommentare
Hahaha, hab sehr gelacht!
5. Juli 2009 - 12:32 — VioHahaha, hab sehr gelacht! Großartig! :D
Zum TOT lachen,
5. Juli 2009 - 13:23 — MacFracerEXZum TOT lachen, Judeau^^!!
ein sehr ungewöhnliches Review, ich fands amüsant es zu lesen^^ Es beschreibt die nicht die genaue Spielmechanik aber den Spielablauf, is ja auch ein Erlebnis bericht.
Die stelle das man ein Fahrzeug braucht um zu entkommen fand ich am besten, den Don ganz einfach um die Ecke gebracht und dann sowas... echt GEIL^^
Sehr sehr geil. Meine
5. Juli 2009 - 15:28 — MoeSehr sehr geil.
Meine Highlights sind der wiederauferstandene Postbote, der Hügel und der bek***** Autoschlüssel! :D
Aber die Sache mit dem Golfschläger und dem Kopf ist auch nicht schlecht. :)
Mich würde ja mal interessieren wie lange du nun für diese einen Mission gebraucht hast.
Echt ein lustiger Artikel
5. Juli 2009 - 15:37 — ANGOmarcelloEcht ein lustiger Artikel ^-^
Wie Amüsant es sein kann ding einfach nur so wiederzu geben wie sie im Spiel eig. ganz normal vorkommen ;D
@Moe: Ich kann es dir leider
5. Juli 2009 - 18:47 — Judeau@Moe: Ich kann es dir leider nicht mehr sagen. Ich habe Hitman 2 zur nächstbesten Gelegenheit auf dem Flohmarkt wieder verkauft und den Speicherstand gelöscht. Ich wollte nie wieder an dieses grausame Spiel erinnert werden. Aber es fühlte sich an wie 69 Jahre in der Hölle.
Hehe, sehr genial!
5. Juli 2009 - 18:51 — Donna DarkoHehe, sehr genial! XD
_Schleichwerbungs-Mode on_
Hatte übrigens mal ein ähnliches Erlebnis:
http://worldwidegaming.wordpress.com/2009/03/16/ich-bin-schlecht-aber-ic...
_Schleichwerbungs-Mode off_
Donna Darko wrote:Hehe, sehr
5. Juli 2009 - 19:20 — ANGOmarcello_Schleichwerbungs-Mode on_
Hatte übrigens mal ein ähnliches Erlebnis:
http://worldwidegaming.wordpress.com/2009/03/16/ich-bin-schlecht-aber-ic...
_Schleichwerbungs-Mode off_
Hehe...
Genau an denn Artikel von dir habe ich gedacht Donna als ich diesen hier lass ;D
Wirklich sensationell und
7. Juli 2009 - 13:08 — ShinesparkWirklich sensationell und echt zum weglachen!
Shinespark wrote: Wirklich
7. Juli 2009 - 20:07 — fox_sbSo ist es!
Dieses Review hat mir auch
7. Juli 2009 - 20:33 — AnniDieses Review hat mir auch Gefallen.
Ich habe HITMAN 2 auch noch hier Herumliegen und noch nie
Gespielt.Aber irgendwann Installiere ich es einmal und werde
mein Glück versuchen.Mir Gefallen solche Spiele die etwas
knackiger sind.Nur leider braucht man immer so viel Zeit dazu
um weiterzukommen.