
Das in Amerika unter dem Namen "Fatal Frame" bekannt gewordene Spiel aus dem Hause Tecmo siedelt sich im Genre des Survival-Horrors an, erschien im August 2002 in Deutschland und ist ein echter Gruselschocker. Der Erfolg des ersten Teils zog bisher zwei Sequels nach sich, die auch inhaltlich miteinander zu tun haben. In diesem Review stellt Euch Judeau "Project Zero" genauer vor.
Die Geschichte spielt im Japan der Neuzeit. Mafuyu Hinasaki ist der Schützling des bekannten Schriftstellers Junsei Takamine. Takamine brach vor einigen Wochen zur Villa der Familie Himuro auf: ein verlassenes Anwesen, das er zur Recherche seines neuen Buches verwenden wollte. Seitdem gibt es von ihm keine Spur mehr. Mafuyu begibt sich nun zur Villa, um seinen Mentor zu suchen. Da er von seiner Mutter einen sechsten Sinn für übernatürliche Phänomene geerbt hat, bemerkt er schnell, dass es im verlassenen Anwesen spukt. Offenbar war die Villa Schauplatz vieler grausamer Taten in der Vergangenheit. Beim Durchstöbern der Örtlichkeit, entdeckt Mafuyu eine alte Kamera, die die Fähigkeit besitzt, umherirrende Geister auf Film zu bannen und somit zu exorzieren. Bei einer Begegnung mit einer mächtigen Seele verschwindet jedoch auch er spurlos.
Who you're gonna call?
Der Spieler schlüpft nun in die Rolle von Miku Hinasaki – Mafuyus Schwester – und hat die Aufgabe, herauszufinden, was mit all den verschwundenen Personen geschehen ist. Stück für Stück erforscht Miku die Tiefen des Anwesens und entdeckt, dass hier scheinbar ein grausiges Ritual stattfand, für das Jungfrauen geopfert wurden. Eine von ihnen legte offenbar einen Fluch über das Haus – und dieser Fluch hat nun auch sie ereilt. Ein Kampf gegen die Zeit beginnt, denn sollte Miku nicht innerhalb von drei weiteren Nächten den Rachegeist besänftigen, wird auch sie das Anwesen niemals mehr verlassen.
Blitzdings
Das Gameplay erweist sich durch die Kamera als recht innovativ. Anstelle diverser Waffen kann man es nur durch das Foto-Objektiv mit den Geistergestalten aufnehmen. Je nachdem, wie gut die Schnappschüsse der Gespenster werden, erhält der Spieler Punkte, die er für diverse
Upgrades der Kamera ausgeben kann, die wiederum das Einfangen mächtigerer Spukgestalten einfacher machen. Zusätzlich zu den aggressiven Seelen, die Miku angreifen, gibt es aber auch verlorene Personen, die an den Ort ihres Todes gebunden sind und auf die Erlösung durch eine Exorzierung warten, weil durch den Schnappschuss ihr Leid dokumentiert wird. Diese auf Film zu bannen ist weit weniger gefährlich, aber nicht immer ganz einfach. Oft sind sie nur zu bestimmten Augenblicken für Sekundenbruchteile zu sehen und schon wieder entschwunden, ehe man auch nur die Kamera gezückt hat. Zumeist war dies auch gleichzeitig die einzige Chance, sie zu fotografieren und die dafür erhaltenen Punkte dem Konto zuzuführen.
Im Dunkeln ist gut munkeln
Die Atmosphäre des Spiels ist bei entsprechendem Einfühlungsvermögen enorm beklemmend. Ein gruseliger Soundtrack, durchmengt von Angst- und Peingeschrei der verlorenen Seelen und ein vibrierendes Gamepad, das im Rhythmus des Herzschlages reagiert, tun ihr Übriges.
In der Tat sitzt einem beim Spielen permanent der kalte Schauer im Genick. Dabei handelt es sich weniger um die Art von Grauen, die man durch Spiele wie "Silent Hill" kennt. "Project Zero" ist wesentlich subtiler und besitzt weitaus mehr Schreckmomente als die bekannte Genre-Referenz. Die panische Angst davor, hinter jeder Tür plötzlich einem Geist gegenüberstehen zu können, oder dass der nächsten Wand einer entfleucht, wird wahrlich plastisch fühlbar. Das Setting ist streng japanisch und erinnert stark an unzählige Geisterfilme aus dem Land der aufgehenden Sonne, wie z.B. "Ringu".
Durchblick
Ebenso überzeugt die Grafik. Auch wenn manche Animationen der Hauptcharaktere seltsam steif anmuten, so sind die Figuren hübsch anzusehen. Die Geister sind wirklich furchteinflössend und mit vielen, schönen, verschwommenen Effekten versehen. Die Umgebung ist detailliert und verbreitet eine gruselige Atmosphäre, die denjenigen, die klassische Gespensterfilme mögen, durchaus bekannt vorkommen dürfte. Miku macht in ihrem Minirock eine gute Figur und Mafuyu entspricht mit seinen weichen, femininen Gesichtszügen dem androgynen, japanischen Schönheitsideal sehr gut.
Schnitzeljagd
Die Handlung überrascht durch viele Wendungen. Größtenteils werden die Ereignisse nicht durch Zwischensequenzen erzählt, sondern Miku muss mit Hilfe von Notizen der verschwundenen Personen den Plot selbst rekonstruieren – die grausigen Hintergründe eigenständig herausfinden. Knackende Tonbandaufnahmen, blutverschmierte Briefe und kryptische Texte tragen zur Stimmung bei.
Spukige Spezialitäten
Die technische Umsetzung lässt wenig Platz für Bemängelungen. Die Steuerung ist eingängig und leicht zu erlernen. Das Spiel besitzt einen 50/60 Hz-Modus, so dass mit keinerlei Geschwindigkeitseinbußen gerechnet werden muss.
Nach dem ersten Durchspielen steht ein weiterer Battle-Mode zur Verfügung, in dem man in einzelnen Szenarien mit einer limitierten Menge Film einen Geist so gut es geht zur Strecke bringen muss, ebenso wie die Möglichkeit, den Soundtrack abzuspielen oder Miku beim erneuten Durchspielen ein neues Kostüm zu spendieren. Schade ist nur, dass dem Spiel keine deutsche Sprachausgabe verpasst wurde. Dafür kann sich die englische allerdings hören lassen – nur des Englischen nicht mächtige müssen sich leider auf die Untertitel beschränken.
Er schleimte mich voll
Der Schwierigkeitsgrad ist moderat. Die Rätselaufgaben sind verhältnismäßig leicht, vor allem im Vergleich zum Referenzspiel "Silent Hill", und teilweise auch durch einfaches, wiederholtes Herumprobieren lösbar. Das Kampfgeschehen hingegen beginnt in der ersten Nacht noch relativ einfach, zieht aber im Verlaufe der folgenden Nächte frappierend an. Die vorletzte Nacht schlägt dann dem Fass den Boden aus. Man sollte in den Vornächten ordentlich Heilmittel angesammelt haben, um eine faire Chance zu haben, das Ende des Spiels sehen zu können.
Fazit
"Project Zero" ist ein Spiel, welches man am besten allein, im Dunkeln und mit Kopfhörern spielt. Dann ist eine fiese Paranoia allerdings auch garantiert. Wer Survival-Horror mag und sich vom immer gleichbleibenden "Silent Hill"-Aufbau gelangweilt fühlt, wird in "Project Zero" eine angenehme Abwechslung erleben.
Wie? Du hast keine Angst vor Geistern? Um es einmal mit den Worten von Meister Yoda zu sagen: "Dooooooch! Du wirst Angst haben! Du WIRST Angst haben!"
Kommentare
Wie schon beim letzten Mal:
17. Oktober 2008 - 16:15 — VioWie schon beim letzten Mal: Daumen hoch für das super Review!
Ganz schön gruselig... :-)
Tolles Review Tolles
17. Oktober 2008 - 16:55 — NordalTolles Review
Tolles Spiel
Hab sofort meine PS2 angeschmissen um es wieder zu Zocken :)
Das Spiel und dein Review
17. Oktober 2008 - 18:24 — Donna DarkoDas Spiel und dein Review sind voll cool!
Ich hab das mal ne Zeitlang mit meiner besten Freundin gezockt (ja, du kennst sie sogar^^), aber wir kommen an einer Stelle nicht weiter, weil die Heiltränke "etwas" rar sind in dem Game!
Ich muss immer voll lachen, wenn dieses Mädel mit den Pflöcken in den Augen da rumgeschwirrt und sagt: "It's dark here!" XD
Um es mit den Worten von Ben
17. Oktober 2008 - 19:13 — ZabucrackerUm es mit den Worten von Ben Stiller auszudrücken:
"I'd say he's got potential!" :D
Super Review =) Das Spiel
18. Oktober 2008 - 15:14 — Dark_KiraSuper Review =)
Das Spiel gefällt mir super, hab alle drei Teile und bin froh dass sich Project Zero mal von Horror-Games wie Resident Evil oder Silent Hill unterscheidet.
Vor allem das Kampfsystem unterscheidet sich einfach total von anderen Games und gerade das macht Project Zero so besonders ^^
Tolles Review!! Ich habe das
18. Oktober 2008 - 18:11 — seelenstrecker (nicht überprüft)Tolles Review!!
Ich habe das Game nie selbst gespielt, die Atmosphäre fand ich jedoch außerordentlich stimmig.
Skeptisch war ich nur wegen dieser Kamerathematik. Bin mir nicht ganz sicher, ob das was für mich ist.