Dragon Age: Inquisition - Review zum Rollenspiel-Spektakel

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Dragon Age ist wohl eine der bekanntesten Rollenspiel-Reihen und stammt aus dem Hause BioWare. Wurde der erste Teil noch von vielen RPG-Fans geliebt, gingen die Meinungen zum zweiten Teil doch eher auseinander. Daher bleibt die Frage, ob BioWare es mit Dragon Age: Inquisition nun wieder zur alten Form geschafft hat - ein Testbericht von Zockerhausen-User Schnubbi.


(Ich möchte vorweg schicken, dass dies mein erster Versuch eines Reviews ist und ich daher für jegliche Tipps/Verbesserungsvorschläge dankbar bin!)

 

Neugier trotz Skepsis

Obwohl ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich die ersten beiden Teile nie gespielt habe, war ich wegen der Kritik am Vorgänger nun beim dritten Teil der Reihe, Dragon Age: Inquisition, zunächst eher skeptisch.

Bereits nach kurzer Spielzeit war jedoch klar: Optisch gibt es nicht viel an diesem Spiel zu meckern - die Landschaften sind abwechslungsreich und laden teils zu ausschweifenden Blicken in die Ferne ein. Abschreckend wirkten auf mich allerdings zunächst einige Dinge, auf die ich nun näher eingehen möchte:

 

1. Der Spieleinstieg

Im Gegensatz zu den Vorgängern gibt es bei DA:I lediglich einen Story-Anfang des Spiels, egal welche Klasse oder Rasse man wählt.
Dies ist zwar Jammern auf hohem Niveau, jedoch wurde man hier von den Vorgängern doch sehr mit unterschiedlichen Einführungen verwöhnt, die dem Spieler direkt Informationen über den eigenen Stand in der Gesellschaft sowie den Platz in der Story vermittelten. Dies fehlte mir persönlich im dritten Teil sehr.

Aber nicht nur dies erschwert den Einstieg in die Welt von Dragon Age für einen Serien-Neuling. Auch einige Mechaniken werden wenig bis gar nicht erklärt, wenn man sich nicht durch das riesige Kompendium wühlt. So wird zum Beispiel bis zum Ende nicht ein Mal erwähnt, welche Rasse eigentlich welche Stats auf den Items benötigt oder was diese Stats für den Einzelnen bringen. Und falls doch, so ist dies gut versteckt. Hier hätte dem Spiel ein ausführliches Tutorial gut getan, zumal man sowieso einen Charakter übernimmt hat, der Anfangs eher ratlos scheint.
 

2. Die Story

In DA:I wird man zunächst mit einem riesigen Riss im Himmel konfrontiert, aus dem Dämonen in die Welt eindringen und von dem niemand so genau weiß, woher er stammt, was dessen Zweck ist und vor allem: wer dafür verantwortlich ist. Da kommt unser Held gerade Recht. Er ist nicht nur vor Ort, sondern trägt an der linken Hand ein seltsam grün leuchtendes Mal, das mit dem Riss im Himmel in Verbindung steht - und bietet sich somit als Verdächtiger an, der sofort verhaftet wird.

Trotz der eher schlechten Behandlung und den Anschuldigungen, für alles Übel verantwortlich zu sein, beschließt unser Held aber, seinen "Peinigern" zu helfen und den Riss zu schließen. So wird also gemeinsam die "Inquisition" ins Leben gerufen und unser Held wird, gesegnet von dem Mal, welches die Risse zu schließen vermag, schnell zum Anführer eben jener Organisation. Nun gilt es, Verbündete um sich zu scharen und der Inquistion zu Macht zu verhelfen. Soweit ganz schön und gut, würde diese Bedrohung nicht durch Nebenaufgaben wie z.B. das Zustellen von Post banalisiert werden.
Dass man eine gewisse Anzahl an Nebenaufgaben zwangsweise erledigen muss, trägt ebenso wie die Tatsache, dass unser Held hauptsächlich mit "Inquisitor" statt seinem Namen (den er/sie aber besitzt!) angesprochen wird, dazu bei, eine Eingewöhnung in die Spielwelt zu erschweren, da man sich anfänglich nur schwer mit dem Charakter und seiner Rolle identifizieren kann.
 

3. Bugs

Ich habe die Xbox One-Version des Spiels getestet und bin leider an sehr vielen Stellen noch auf Bugs und Grafik-Glitches gestoßen. So kam es nicht selten vor, dass ein Zaubereffekt noch lange nach Kampfende in der Luft schwebte oder mein Charakter beim Versuch, sein Pferd zu besteigen, entweder in das Pferd hineinkroch oder aber einige Meter neben ihm auf eine unsichtbare Leiter kletterte und dann auf magische Weise auf dessen Rücken teleportiert wurde. Zudem veschwanden einige NPCs oder waren einfach nicht ansprechbar, bevor man nicht das Spiel neu geladen hatte, oder man rannte plötzlich, insbesondere auf Bergen, gegen unsichtbare Wände. In seltenen Fällen steckte ich auch schon einmal aus unerfindlichen Gründen an Ort und Stelle fest oder es fehlten ganze Sätze in Unterhaltungen. Regelmäßig wurden auch Sätze nicht zu Ende gesprochen bzw. mittendrin abgebrochen. Alles Dinge, die heutzutage nicht mehr sein müssten, wie ich finde.
 

4. Die Steuerung

Alles in allem habe ich nun auch fast genug gemeckert. Die Steuerung von DA:I ist leicht verständlich und funktioniert alles in allem rund. Der taktische Modus bietet die Möglichkeit, in hektischen Kämpfen die Übersicht zu erlangen, sowie die Stärken und Schwächen seiner Feinde zu erkunden. Hier habe ich lediglich zwei kleine Dinge zu bemängeln.

Zum einen betrifft dies Flächenzauber, die an einem bestimmten Ort gewirkt werden sollen. Wo diese landen, wird mit einer Grafik bestimmt, die sich am Boden entlang bewegt. Dies wäre ja auch kein Problem, wäre es möglich, diese Grafik am Boden über Hindernisse hinweg zu bewegem. Leider ist dies aber nicht möglich. Die Zielvorrichtung muss an jeglichen Hindernissen vorbei manövriert werden, was teilweise schon ziemlich nervig sein kann.

Das zweite kleine Manko an der Steuerung ist eine meiner Meinung nach unglückliche Tastenbelegung der Taste A, die man nicht ändern kann. Diese Taste dient nämlich sowohl der Interaktion, als auch dem Springen. So kommt es nicht selten dazu, dass man sich von seinen Begleitern angestarrt fühlt und sich fragt, was wohl gerade in deren Köpfen vorgeht, während man wie bekloppt vor einer Truhe rumspringt, die man versucht, zu öffnen.
 

5. Die Wende

Diese Mankos betreffen größtenteils jedoch nur die Anfangszeit, die mit ca. 20 Spielstunden jedoch recht lang ist, und könnten teilweise auch davon herrühren, dass ich die Vorgänger einfach nie länger als eine Stunde gespielt habe.

Hat man die ersten 20 Stunden jedoch hinter sich gebracht, so offenbart sich eine wundervolle Wendung im Spielverlauf. (ich persönlich habe solange gebraucht, mag gut sein, dass man schneller zu diesem Punkt gelangt.)
Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es eine Wandlung der Story gibt, die, ohne jetzt zu viel spoilern zu wollen, ungeahnte Spannung in das Spiel bringt. Die Story entwickelt sich ab diesem Zeitpunkt großartig und entfesselte in mir eine Achterbahn der Gefühle. Doch gehen wir hier schrittweise an die Sache heran:
 

6. Charaktere

Fiel es mir zunächst noch aufgrund obiger Barrieren schwer, überhaupt eine Beziehung zu den Charakteren aufzubauen, so hat BioWare im Verlauf des Spiels sein Können im Umgang mit Persönlichkeiten bewiesen. Der eigene Charakter formte sich den ausgewählten Antwortmöglichkleiten entsprechend zu einem Abbild meiner selbst und antwortete schlussendlich streckenweise so herrlich sarkastisch, dass ich mich selbst Bro-Fisten wollte.
Auch die Begleiter des Helden sowie NPCs sind so geschrieben, dass es einem leicht fällt, sie zu lieben oder auch zu hassen, und bilden eine Vielfalt an Persönlichkeiten. Ich habe es sehr genossen, Beziehungen zu ihnen aufzubauen und ihre Entwicklung, die beeinflussbar ist, zu verfolgen. BioWare-typisch sind je nach Vorlieben des entsprechenden Charakters auch Romanzen möglich.


 

7. Drachen

In einem Spiel, das die Bezeichnung "Zeitalter der Drachen" trägt, dürfen eben diese natürlich nicht fehlen. Jedoch haben die Drachen eher eine passive Präsenz. Der Spieler ist nur in Ausnahmefällen gezwungen, gegen sie anzutreten, wodurch es ihm größtenteils selbst überlassen ist, eine Konfrontation zu wagen oder sich lieber davon zu machen.
Nichtsdestotrotz ist deren Inszinierung einfach genial. Kämpfe gegen Drachen fühlen sich stets episch an und schon allein deren Auftritt, wenn sie den Spieler beim Überflug ihres Jagdgebietes entdecken, sorgt für Gänsehaut. Daher lohnt sich eine Begegnung mit den schuppigen Rivalen allemal.
 

8. Loot und Talente

Das Loot- und Talentsystem habe ich hier mal zusammengefasst, da es im Grunde viele Ähnlichkeiten aufweist. Ob es beim Loot nun die Wahl der Waffen ist oder die Beeinflussung der Stats durch Upgrades bzw. durch die Auswahl der zahlreichen Materialien bei der Herstellung neuer Items, oder aber die freie Wahl der Zusammenstellung der Talente aus den verschiedenen Talentbäumen - beide Systeme bieten viel Platz für die individuelle Gestaltung. Lediglich die Qualität der gefundenen Beute lässt größtenteils zu wünschen übrig. Selten bekommt man ein nennenswert nützliches oder überhaupt für das Level passende Item.

 

9. Das Spiel im Spiel

Der sogenannte "Kartentisch" bietet ein wenig Abwechslung im Abenteuer-Alltag. Hier gibt es eine große Auswahl an Missionen, mit denen man je einen seiner drei Berater betreuen kann. Dies geschieht dann im Browsergame-Stil, d.h. man startet eine Mission, die eine gewisse Zeit zwischen wenigen Minuten oder ganzen Tagen andauern kann, und sobald diese Zeit abgelaufen ist, geht man wieder zum Kartentisch und holt sich seine Belohnung inklusive des Einsatzberichtes ab. Diese Missionen werden jedoch nach Echtzeit berechnet, wodurch es also nicht nötig ist, während der gesamten Dauer aktiv zu spielen bzw. überhaupt das Spiel gestartet zu haben. Unter der Auswahl der Missionen befinden sich ähnlich wie im Hauptspiel storyrelevante und Nebenmissionen.
Fehlschlagen können diese Aufträge zwar nicht, jedoch verwendet jeder der Berater andere Methoden und kann auch zu anderen Ergebnissen kommen. Dies gilt sowohl für Belohnungen, als auch für die benötigte Zeit.


 

10. Fazit

Dragon Age: Inquisiton ist kein Sprinter, sondern kommt eher einem Marathonläufer gleich. Es fängt nach meiner persönlichen Meinung eher gemächlich an, steigert sich jedoch nach einer gewissen Zeit so sehr, dass ich es beinahe mein Spiel des Jahres 2014 nennen würde. Das Rollenspiel ließ mich so tief eintauchen, dass ich teilweise völlig die Welt um mich herum vergessen habe, was für mich ein Zeichen dafür ist, dass die Entwickler einiges richtig gemacht haben. Auch wenn mich die oben aufgezählten Macken anfangs sehr gestört haben, so blickte ich bei längerem Spielverlauf immer wohlwollender über sie hinweg. Es zogen ganze Wochenenden an mir vorbei, an denen ich mich wunderte, wieso ich denn so müde bin, obwohl die Sonne noch schien, bis ich dann merkte, dass bereits der Folgetag angebrochen und die Nacht an mir vorbei gezogen war.

Daher gibt es von mir eine definitive Kaufempfehlung für dieses Spiel.

Mögen Eure Risse immer geschlossen bleiben,

Schnubbi

Quelle: 
Schnubbi, Electronic Arts

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Kommentare

Bild von Vio

Erstmal Danke für das

Erstmal Danke für das Review!! :)

Ich habe "Dragon Age: Inquisition" nun nach 120 Stunden beendet und muss sagen, dass ich selten ein großartigeres RPG gespielt habe.

Von Deinen Kritikpunkten kann ich da eigentlich nur die Bugs nachvollziehen, denn mir sind auch ab und zu mal Grafikglitches und Fehler in der Kollisionsabfrage untergekommen. Das hat das Spielerlebnis aber nicht getrübt.

Was den Einstieg angeht, finde ich eigentlich, dass gerade DA:I es da jedem total leicht macht. Es stimmt zwar, dass im Spiel nicht erklärt wird, das z.B. Geschicklichkeit bei Schurken und Stärke bei Kriegern wichtig ist, aber das kriegt man ja schon irgendwie beim Spielen raus - und für jemanden mit etwas RPG-Erfahrung gilt das sowieso.

Kritisieren würde ich ja eher den Aufbau des Inventars bzw. Schmiedens - das ist ja in diverse Bereiche ("Waffen herstellen", "Rüstung herstellen", "Waffen modifizieren", "Rüstung modifizieren", "Inventar") aufgesplittet, so dass man immer umständlich hin und her wechseln muss. Das hätte ich gebündelt in einem Menüpunkt wesentlich praktischer gefunden.

Mit dem Charakter konnte ich mich von Anfang an super identifizieren, zumal man das Aussehen, die Stimme etc. ja auch vollständig selbst designen kann.

Alles in allem hat mich gerade die Hülle und Fülle von Quests begeistert, diese Vielzahl an unterschiedlichen, zum Teil riesigen Welten (manches Game wäre froh, nur eine davon zu haben), das perfekte Kampfsystem, die unterhaltsamen Dialoge mit den Charakteren (und die sehr gute Synchro und Vollvertonung), das permanente Looten und immer wieder neue Herstellen von einzigartigen Items - kurzum: Wer irgendwie auf Fantasy-Rollenspiele steht, kommt meiner Meinung nach an DA:I nicht vorbei!

Bild von Piepmatz

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