Soundtrack Cologne - East meets West - Die Ritter der Videospielmusik

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Yasunori Mitsuda trifft Austin Wintory, Kōji Kondō trifft Laura Karpman, Masashi Hamauzu trifft Kai Rosenkranz, Toru Minegishi trifft Richard Jacques, Nobuo Uematsu trifft Chris Hülsbeck. Zusammenfassend also - East meets West. Als eingespieltes Team sorgten Jonne Valtonen und Roger Wanamo ein weiteres Mal dafür, dass die großartige Videospielmusik unserer Zeit für ein Orchester, ein Chor und ein Konzertsaal umgesetzt wird.

Im Gegensatz zu Symphonic Odysseys oder Symphonic Fantasies wurden die East Meets West-Konzerte nicht durch einem bestimmten Genre, einem bestimmten Komponisten oder einer bestimmten Spielereihe eingegrenzt, sondern wirkten durch ihre facettenreiche Vielfalt erfrischend anders und dennoch vertraut. Denn ganz ehrlich: Wer hätte actiongeladene Musik aus James Bond 007: Blood Stone erwartet, nur um im nächsten Moment mit den Klängen von Journey in andere Sphären zu schweben?

East Meets West

Stephen King hat einmal geschrieben, dass die wichtigsten Dinge sich am schwersten sagen lassen, da sie durch Worte kleiner gemacht werden. Ich versuche in diesem Artikel so gut es geht, das Konzert und die jeweiligen Stücke zu beschreiben, aber kein Bericht, so gut und professionell er auch geschrieben sein mag, kann die Magie der Musik in Worte fassen. Aus diesem Grunde hoffe ich inständig auf einen Mitschnitt der Aufführungen. Bis es so weit ist, gebe ich hier mein Bestes für euch.

Kōji und Laura

Wer schon mal ein Konzert in der Kölner Philharmonie miterlebt hat, der wäre im ersten Moment vielleicht ein wenig überrascht, dass der Klaus-von-Bismarck-Saal ein gutes Stück kleiner ist als die Philharmonie. Das spielte am Ende jedoch keine Rolle, da wir mit der Suite zu Lylat Wars und StarWing, genannt Toward the Celestial Sphere, gleich mit Pauken und Trompeten in die Lüfte gehoben wurden. Schließt eure Augen und stellt euch einfach vor, wie Fox McCloud mit seinem Team unerschrocken und bereit für jeden Kampf langsam in Richtung Kamera marschiert. So energisch und kraftvoll begann die Zusammenarbeit zwischen Ost und West.

Landeanflug in Richtung Thundering Steppes einleiten. Die Erde hatte uns wieder und begrüßte uns mit stampfenden Füßen und einer Melodie, die an irischen Folk erinnert. Laura Karpman wurde während ihrer Arbeit für EverQuest II von vielen bekannten Komponisten beeinflusst und wenn ich als Laie raten müsste, dann würde ich sagen, dass Thundering Steppes von Lutoslawski inspiriert wurde. Für East Meets West musste das Stück nicht großartig umarrangiert werden, da das Prager Sinfonieorchester und Karpman schon großartige Arbeit geleistet hatten.

Toward the Celestial Sphere und EverQuest II sind das beste Beispiel dafür, was ich schon eingangs erwähnt habe. Eine erfrischende Vielfalt, die dennoch vertraut klingt.

Richard und Austin

Einen ähnlichen Spagat musste Richard Jacques schaffen, als er sich bereiterklärt hatte, die Musik für James Bond 007: Blood Stone zu komponieren. Einerseits sollte seine Musik wie ein typischer "Bond" klingen, sich aber auf der anderen Seite für eine interaktive Erfahrung eignen. Für die East Meets West-Konzerte wurde Athens Harbour Chase ausgewählt und ich kann als großer Bond-Fan sagen, dass der Mann in beiden Belangen Erfolg hatte. Wie auch schon in den Filmen, konzentrierte sich das Stück auf die Posaunen. Die Tatsache, dass Jacques selbst dieses Instrument spielt, schadete dem Soundtrack sicherlich nicht. Gerade zu Beginn klang das Arrangement auffallend düster. Wer Skyfall im Kino gesehen hat, könnte meinen, dass Jacques auch für diesen Soundtrack verantwortlich war. Nach einer guten Minute legte das Orchester an Tempo zu und machte einer guten alten Bond-Verfolungsszene alle Ehre.

Nach dieser actiongeladenen Musik und dem verdienten Applaus war es für einige Sekunden sehr still. Ein Blick auf das Programm verrät: Apotheosis, ein Lied aus dem meisterhaften Soundtrack von Journey. Könnt ihr euch erinnern, wie ich am Anfang Stephen King zitiert habe? Der Hauptgrund dafür war dieses Stück. Denn es ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit diese Melodie in Worte zu fassen und wenn ich es machen würde, dann kann es meine Empfindungen in diesen Momenten nicht einmal im Ansatz beschreiben. Genauso wie das Spiel selbst, muss man den Soundtrack für sich selbst erleben. Was Austin Wintory im Verlauf von drei Jahren hier erschaffen hat, ist eine Leistung, die ich noch jahrelang wertschätzen werde. Auf seiner Seite meinte er, dass er schon zu Beginn seiner Arbeit merkte, dass Journey kein gewöhnliches Spiel sei. Und ein außergewöhnliches Spiel verdient nun mal einen außergewöhnlichen Soundtrack. Wintorys Apotheosis begann dabei mit den leisen Klängen eines Cellos...

Nobuo und Yasunori

Muss man zu Final Fantasy, dem Urgestein der Spielemusikkonzerte, noch irgendetwas sagen? Ein Großteil der gesamten Werke von Uematsu wurden bereits für große Säle orchestriert und auch für East Meets West liesen Valtonen und Wanamo ihre Magie wieder spielen. Diese Suite beinhaltete Klassiker wie die Opening Themes von Final Fantasy I und Final Fantasy VI, Maria and Draco, ebenfalls aus Final Fantasy VI, und Battle on the Big Bridge aus Final Fantasy V. Dabei war das Ganze so clever arrangiert, dass es mir manchmal schwer fiel, die einzelnen Lieder zu erkennen. Selbst Pianist Benyamin Nuss, der bei diesem Part wieder mit derselben bewundernswerten Leichtigkeit spielte, meinte, dass viele der Musikstücke erst beim zweiten oder dritten Mal zu erkennen sind. Dadurch bekamen wir keine bloße Aneinanderreihung von bekannten Klassikern, sondern vielmehr ein schönes Werk, das eine eigenständige Melodie besaß und immer im richtigen Augenblick erkennen lies, dass es sich hierbei noch immer um die einzigartige Musik handelte, die wir im Laufe der letzten Jahre kennen und lieben gelernt haben.

Nach einem halsbrecherischen Flug nach Irland im Auftrag Ihrer Majestät, der mit einer unbeschreiblichen Erfahrung und einer Schlacht auf einer großen Brücke endete, war es für alle Anwesenden nur Recht, eine kleine Verschnaufpause zu bekommen.

Die zweite Hälfte läutete ein weiterer Rollenspielklassiker ein, der bei uns leider nicht den Bekanntheitsgrad hat, wie in Amerika oder Japan. Denn Xenogears zählt für viele als eines der besten Rollenspiele aller Zeiten und für mich zu den besten Spielen, die bei uns nie erschienen sind. Der Komponist hingegen dürfte schon bekannter sein, denn Yasunori Mitsuda war auch schon für die musikalische Untermalung von Chrono Trigger, Chrono Cross und ganz wichtig zu erwähnen, Shadow Hearts und Shadow Hearts: Covenant verantwortlich. Bei East Meets West war es der erste Einsatz des Chors, der das WDR Rundfunkorchester bei dieser brachialen Suite begleitet hat, die mich zeitweise an One Winged Angel erinnerte.

Masashi und Kai

Der Trend der Aufführung war bis zu diesem Zeitpunkt einfach zu erkennen. Düster, kraftvoll, aggressiv und melancholisch. Ruby's Theme aus Unlimited Saga war da eine willkommene Abwechslung und bildete den Kontrast zu einem bisher sehr ernsten Konzerts. Angeführt von einem Xylophon wirkte dieses Theme von Masashi Hamauzu sehr verspielt und fröhlich. Und wenn ich einen weiteren Vergleich aus der klassichen Musikszene wagen darf, Edvard Griegs Morgenstimmung und Tschaikowskys Blumenwalzer kamen mir in den Sinn. Ich weiß nicht wie es den anderen Besuchern ging, aber mir zauberten diese Minuten ein Lächeln in's Gesicht. Das bei der nächsten Suite wieder schlagartig verschwand.

Denn das Gothic 3-Arrangement startete so explosiv, dass sogar meine Sitznachbarin vor Schreck zusammenzuckte. Über die Qualität des PC-Rollenspiels aus deutschem Hause spalten sich noch heute die Lager, aber der Soundtrack ist über jeden Zweifel erhaben und im Falle von East Meets West gehörte die Suite zu den beeindruckensten Momenten des gesamten Konzerts. Die kraftvollen Klänge von Tuben und Posaunen wurden immer wieder gekonnt von der leichten Melodie einer Violine abgelöst und am Ende fragte man sich, warum dieser Part so schnell vorüber war. Die Musik von Kai Rosenkranz klingt schon in ihrer Originalfassung überaus bemerkenswert, aber während das Arrangement in dem Saal gespielt wurde, konnte ich nicht anders als mir vorzustellen, wie eine Armee von Uruk-hais die Festung von Helms Klamm stürmen.

Toru und Chris

Wenn Fans an die Musik der berühmten The Legend of Zelda-Reihe denken, dann fällt in der Regel zu Recht der Name Kōji Kondō. Toru Minegishi hingegen wird nicht oft genannt, obwohl der junge Musiker schon seit The Legend of Zelda: Majora's Mask aus dem Jahre 2000 an der Seite der Legende gearbeitet hat. Für den Soundtrack zu Twilight Princess übernahm er zum ersten Mal die Führungsposition und arbeitete hierbei zusammen mit Kōji Kondō und Asuka Ota. Das Besondere an diesem Stück war das Solo der Sopranistin Dong Hi-Yi, während der männliche und weibliche Teil des Chors sich bei diesem sehr düsteren Arrangement abwechselten. Als die letzen Töne der Instrumente verklangen, habe ich aus Reflex die Augen geschlossen, denn bei den geisterhaften Geräuschen, die am Ende unheilvoll den Saal füllten, dachte ich, jemand hatte die Bundeslade geöffnet.

Nachdem ich meine Augen langsam öffnete und merkte, dass wir alle nicht geschmolzen sind, machten wir uns bereit für das große Finale. Denn wenn ein Konzert schon endet, dann mit einem großen Knall und heiliges Maschinengewehr - die Anthology Suite von Turrican II war das reinste Rockkonzert, aufgeführt von einem Orchester und einem Chor. Jede Frau und jeder Mann auf der Bühne muss sich gedacht haben: "Jetzt erst Recht!" und hat nochmal alles gegeben. Immer wieder lief es mir kalt den Rücken herunter, wenn der Main Title gespielt wurde. Es gab zwar auch immer wieder leisere Passagen, aber für mich waren das nur die Intervallen zwischen den knallharten Turrican-Klängen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich von diesem Part nicht viel erwartet habe, aber umso positiv überraschter war ich, wie super mir die Anthology Suite dann doch gefallen hat.

Merregnon und Giana

Welches Konzert hört schon ohne Zugaben auf? Nach einer kurzen Ansprache von Dirigent Wayne Marshall, durften wir uns auf zwei Überraschungen einstellen. East Meets West - Anthem of Merregnon wurde von Jonne Valtonen speziell für diese Aufführungen komponiert. Ich kann dieses Stück nicht besser beschreiben als das Indiana Jones Theme, kombiniert mit der Musik eines Rollenspiels, wie beispielsweise Gothic 3. Zumindest setzte mein Herz kurz aus, als die Bläser ein Solo spielten, dass mich sehr an John Williams' Klassiker erinnerte. Merregnon ist übrigens keine Weinsorte, sondern ein orchestrales Musikprojekt, das von bekannten Komponisten wie Chris Hülsbeck, Yuzo Koshiro (Streets of Rage, Shenmue, The Revenge of Shinobi), Fabian Del Priore (Giana Sisters DS, WarGames) und dem Produzenten Thomas Böcker in's Leben gerufen wurde. Als Trilogie konzipiert, wurden bisher nur zwei Teile veröffentlicht. Merregnon 1 kam mit 20 Lieder plus einem Bonus-Track im Jahre 2000 auf den Markt. Merregnon 2 erschien mit derselben Anzahl an Musikstücken, drei Jahre später. Eingespielt wurde die zweite CD unter anderem vom Prager Sinfonieorchester, die, wie wir uns erinnern, auch schon mit Laura Karpman für EverQuest II zusammengearbeitet haben. Das heißt East Meets West - Anthem of Merregnon könnte womöglich ein Hinweis auf das Ende der Trilogie sein.

Von all den großartigen Arrangements, denen wir am Abend lauschen durften, war nur eines fröhlich und spielerisch. Ruby's Theme sollte aber nicht alleine bleiben, denn Giana Sisters kehrte nach Symponic Shades von 2008 wieder in den Konzertsaal zurück. Diese Zugabe klang für mich wie die Musik von alten Disney-Filmen mit Donald Duck und/oder Mickey Mouse und es war für mich nicht möglich, meine Füße und meinen Kopf still zu halten. Dasselbe galt übrigens auch für den Dirigenten Wayne Marshall. Da unsere Füße nun warm waren, konnten wir nach dem letzten Encore ohne Probleme aufstehen, um mit tosendem Applaus all jenen zu danken, die diesen Abend so erfolgreich gestaltet haben. Videospielmusik scheint nicht nur etwas für die jüngere Generation zu sein, denn auch ein paar ältere Herrschaften aus dem Publikum meinten: "Das klang ja sogar ziemlich gut!".

Und nun erheben Sie sich...

Amerikanische Soldaten, die in ihrer Laufbahn große Dienste für ihr Vaterland geleistet haben, können mit der höchsten Auszeichnung, der Medal of Honor, belohnt werden. Würde es eine solche Auszeichnung für Komponisten geben, dann hätte es nicht die Form einer Medaille, sondern die einer Bühne. Denn wenn Männer wie Jonne Valtonen und Roger Wanamo sich dazu entschließen, den Soundtrack bzw. die Soundtracks eines Künstlers für ein Konzert oder eine Konzertreihe zu arrangieren, dann ist das, wie ich finde, eine Art Ritterschlag für den jeweiligen Komponisten.

Quelle: 
Zabucracker

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Kommentare

Bild von PeydaLass

Es ist erstaunlich, wie du

Es ist erstaunlich, wie du versuchst, und ich betone bewusst das "versuchst", allen nicht Anwesenden mitzuteilen, was wir am vergangenen Wochenende erleben durften! Denn dieses Vorhaben kann nur scheitern, da alle Impressionen nur schwer in Worte gefasst werden können!

Zabucracker wrote:
Stephen King hat einmal geschrieben, dass die wichtigsten Dinge sich am schwersten sagen lassen, da sie durch Worte kleiner gemacht werden.

Aber das weißt du natürlich selbst!

Auch wenn mir nur die wenigsten Titel wirklich bekannt waren, so kann ich nur jedem raten, sich bei Möglichkeit irgendein orchestrales Videospielmusik-Konzert anzuhören/anzusehen! Selbst ich, der mit Orchestern und klassischer Musik so gar nichts anfangen kann (Hardstyle ftw!^^), kam auf meine Kosten! Ich als großen Fan der Zelda-Reihe war natürlich fasziniert, wie das großartige WDR Rundfunkorchester die Klänge aus den Federn von Toru Minegishi, Kōji Kondō und Asuka Ota umgesetzt hat!

Im Großen und Ganzen hat sich mein Wochenendtripp nach Köln sehr gelohnt!
Für den Zabucracker wars wohl noch lohnender... :D
Kleines Gespräch und Autogramm von Austin Wintory z.B.; das Foto mit ihm bekommste sicherlich auch noch!^^

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PeydaLass wrote:Es ist

PeydaLass wrote:
Es ist erstaunlich, wie du versuchst, und ich betone bewusst das "versuchst", allen nicht Anwesenden mitzuteilen, was wir am vergangenen Wochenende erleben durften! Denn dieses Vorhaben kann nur scheitern, da alle Impressionen nur schwer in Worte gefasst werden können!

Da hast du durchaus Recht. Ich weiß, dass es unmöglich ist, dass Konzert bis auf den letzten Ton zu beschreiben (wäre ja auch sehr langweilig), aber ich dachte mir, ich versuch es zumindest so weit und so gut, wie es nur geht. Ob das letztlich auch geklappt hat, ist natürlich was anderes. :)