
1998 erschütterte Blizzard das Gefüge der Echtzeit-Strategiespiele mit dem inzwischen zu Weltruhm erlangten Titel StarCraft, in dem sich die Rassen der Terraner, Zerg und Protoss erbittert bekriegten. Das mehr als 9,5 Millionen mal verkaufte Spiel und sein Nachfolger Brood War etablierten sich in Südkorea gar zum Volkssport. Nun, ganze zwölf Jahre später, legt Blizzard den zweiten Teil nach. Zockerhausen-User Judeau hat sich des Sequels angenommen und schildert Euch, ob es sich bei diesem Titel, erwartungsgemäß, um einen würdigen Nachfolger handelt.

Doch vor den Spielspaß haben die Götter die Geduld gestellt. Neben dem eigentlichen Spiel selbst muss nämlich zunächst ein Battle-Net-Account angelegt und bereits der erste Patch heruntergeladen und installiert werden. Anschließend erfolgt die Online-Verifizierung des Versions-Keys und erst dann darf losgelegt werden. Dank der sehnsüchtigen Erwartungshaltung eine grausame Zerreißprobe. Immerhin: Während satte zwölf Gigabyte auf die Festplatte geschaufelt werden, kann man sich die Zeit mit einer bebilderten und vertonten Zusammenfassung der geschichtlichen Ereignisse des ersten Teils vertreiben oder die Einzelheiten in der mitgelieferten Anleitung selbst nachlesen, während neu-orchestrierte Musikstücke des Vorgängers die Nostalgie im Ohr des Fans wecken.
Nach dem Startmenü die erste Überraschung: Kein dröger Auswahlschirm für die Missionen. Stattdessen sehen wir eine Ingame-Videosequenz des von Schuldgefühlen zerfressenen Jim Raynor in einer Bar irgendwo im terranischen Sektor. Besonders erfreulich: die deutschen Synchronstimmen vieler Charaktere des ersten Teils konnten auch für den Nachfolger engagiert werden. Man taucht unmittelbar in die Atmosphäre des Klassikers ein.
Die erste Mission ist noch obligatorisch: Raynor versucht, eine Rebellion gegen seinen Erzfeind, den Tyrannen Arkturus Mengsk, ins Rollen zu bringen, indem er einige Aufständische mit Waffen versorgt, die er zuvor aus Mengsks Lagern plündern will. Veteranen der Serie fühlen sich hier sofort heimisch. Die Kontrollen funktionieren so, wie man es aus dem Vorgänger gewohnt ist: Mit Linksklick wählt man aus, mit Rechtsklick oder altbekannten Tastaturbefehlen werden Befehle erteilt. Ein Heidenspaß, angesichts der aufgebohrten Grafik.
Mit den geringen Anforderungen des ersten Teils gibt sich StarCraft II allerdings nicht zufrieden. Zwar muss man nicht unbedingt einen High-End-Rechner sein Eigen nennen, um das Game überhaupt spielen zu können – viele Einstellungsmöglichkeiten geben hier auch älteren Rechnern eine Chance – dafür kann das Spiel aber dann auch nicht seine ganze Pracht entfalten. Engster Flaschenhals ist hier ganz klar die eingebaute Grafikkarte, die schon mindestens einen halben Gigabyte Videospeicher zur Verfügung stellen sollte. Wer allerdings das volle Partikelfeuerwerk genießen möchte, der wird für seinen PC entweder deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen oder bereits gegriffen haben.
Nach der Mission wird abgerechnet. Ein Bonussystem, ähnlich dem Trophäensystem auf der PS3, soll hierbei dafür sorgen, dass ältere Missionen wiederholt gespielt werden, um auch die letzten Bonuspunkte aus einem Gefecht herauszuziehen. Außerdem erhält man später für viele Schlachten ein Entgelt. Die erhaltenen Credits ermöglichen es dem Spieler, ausgewählte dauerhafte Upgrades für die diversen terranischen Einheiten und Gebäude zu erstehen. Dabei muss der Kauf sorgsam überlegt werden. Meist sind die Aufwertungen zu teuer, als dass man alle bezahlen könnte.
Zwischen den Aufträgen kann man sich mit den Hauptcharakteren unterhalten und somit die Geschichte vorantreiben. Das ist erstaunlich kurzweilig und gibt den Figuren deutlich mehr Tiefe. Daneben ist es möglich, wie schon erwähnt, Upgrades zu kaufen, Söldner anzuheuern, die einem im Kampf beistehen, oder Forschung zu betreiben. Durch Artefakte oder Genproben, in deren Besitz man während der Missionen gelangen kann, entwickeln die eigenen Forscher nach und nach Alien-Hybrid-Upgrades für eigene Einheiten. Auch hier muss man mit Weitsicht walten. Die Erlangung einer speziellen Tech macht den Erwerb anderer Techs unmöglich.
Tatsächlich besteht die Einzelspieler-Kampagne größtenteils aus terranischen Missionen, die, logischerweise, mit terranischem Equipment gespielt werden. Dank Raynors altem Freund, dem dunklen Templer Zeratul, ist es aber in einem Nebenhandlungsstrang möglich, zumindest kurz in die neuesten Protoss-Errungenschaften Einblick zu nehmen. Bekanntermaßen werden auf Wings of Liberty zwei Add-ons folgen, die dann jeweils die Geschichte der anderen zwei Rassen abdecken sollen. Solange ist man mit den 29 mitgelieferten Episoden aber erst einmal gut beschäftigt.
Herzstück jedes Echtzeit-Strategiespiels ist für viele Zocker der Multiplayer-Modus. Während lange hin und her diskutiert wurde, ob man StarCraft II auch im lokalen Netzwerk spielen kann, ist jetzt klar: Multiplayer-Gefechte gibt es nur via Battle-Net. Dabei kann ich mich sowohl für Ranglistenspiele eintragen (die gewertet werden), als auch eigene Spiele erstellen (die nicht gewertet werden), zu denen man dann Freunde einlädt und vergnüglich eine Schlacht ausficht.
Fazit ist: Der neue Teil der Saga macht einen Heidenspaß und wird der Euphorie gerecht. Endlich wieder in neuen Missionen durch die StarCraft-Welt zu reisen, lässt alten Echtzeit-Strategen das Herz aufgehen. Zwar werden einige Grafikpuristen über den Ingame-Sequenzen die Nase rümpfen – dafür schleudern die Gefechte einem die liebevoll gestalteten Details um die Ohren.
Leider zehrt das an den Rechner-Ressourcen und die meisten Spieler werden mit Abstrichen vorlieb nehmen müssen, wenn das Game ruckelfrei spielbar bleiben soll. Entschädigt wird man hierfür aber mit einer epischen Geschichte, die den Spieler unmittelbar hineinzieht und nicht mehr loslässt. Die wenigen, dafür aber umso spektakulärer inszenierten Rendersequenzen tragen ihr Übriges dazu bei, für herunterklappende Kinnladen zu sorgen. Arkturus Mengsk beschreibt es im Intro am besten: „Krieg zieht auf – in all seiner Pracht!“
Kommentare
Das Achievement-System haben
30. Juli 2010 - 11:50 — alokkDas Achievement-System haben sie von WoW übernommen, find ich aber gut, hat man nochmal nen Anreiz die Missionen zu spieln und zu versuchen alles Perfekt zu machen.
Mir gefällts bis jetzt ganz gut, nur isses bei mir 2x abgestürtzt nach ner Mission als ich auf die Brücke wechseln wollte und ich hab nicht gespeichert und musste das letzte Stück von den Missionen nochmal spielen.
Sehr schönes Spiel und eine
30. Juli 2010 - 12:01 — moritz431Sehr schönes Spiel und eine ganz klare Kaufempfehlung!
Auch netter Beitrag von dir, danke dafür.
Meines kommt Morgen oder
30. Juli 2010 - 14:19 — DarkVampMeines kommt Morgen oder Montag endlich an.
Ich finde es aber relativ gewagt von Blizzard das man dieses Spiel nie mehr verkaufen kann.
Man wird es also niemals gebraucht erwerben können :-(
Durch die Zwangsaktivierung per Key welcher FÜR IMMER an den BattleNet Account gebunden ist wird dies unmöglich.
PS: Mac Version ist mit auf der Disc!
DarkVamp wrote: Man wird es
30. Juli 2010 - 15:41 — JudeauMan wird es also niemals gebraucht erwerben können :-(
Durch die Zwangsaktivierung per Key welcher FÜR IMMER an den BattleNet Account gebunden ist wird dies unmöglich.
Es sei denn, man hat nur für SC2 einen extra Account angelegt und verkauft seine Account-Daten gleich mit. Dann geht's schon!
Ja richtig Account verkaufen
30. Juli 2010 - 21:27 — DarkVampJa richtig Account verkaufen wäre möglich....
Kleiner Hinweis noch von
2. August 2010 - 8:15 — DarkVampKleiner Hinweis noch von mir:
Da die Deutsche Sprachausgabe bei weitem nicht an das englische Original heranreicht habt Ihr die Möglichkeit über das Battlenet (nach Registrierung der Seriennummer) das komplette Spiel in Englisch herunterzuladen.
Ist zwar ein fetter Brocken aber danach kann man das Spiel so spielen wies vom Entwickler gedacht war.
Kleiner Nachtrag: Für
2. August 2010 - 13:06 — JudeauKleiner Nachtrag: Für StarCraft - Kundige sind die Solo-Missionen viel zu leicht. Wer eine Herausforderung sucht, sollte von Anfang an auf "Schwer" spielen - dafür macht der "Brutal" -Schwierigkeitsgrad seinem Namen wahrlich alle Ehre.
Ausgezeichnetes Review mal
2. August 2010 - 13:23 — ShinesparkAusgezeichnetes Review mal wieder!! Hat wirklich Spass gemacht das zu lesen, auch wenn mich Starcraft und das Genre allgemein nicht so interessieren.
Beide Daumen hoch und nen Bären. OF COURSE^^
Danke - ja, scheint so, dass
2. August 2010 - 15:00 — JudeauDanke - ja, scheint so, dass hier wenige Strategen sitzen. Da schreibt man mal einen aktuellen Test und kein Schwein liest ihn.
hey einige Schweine dann
2. August 2010 - 15:11 — DarkVamphey einige Schweine dann doch...
Hast ja nix zu den Hardwareanforderungen geschrieben und die von Blizzard sind sehr wässtig. Braucht man nen Monsterrechner dafür ?
(habs gerade bekommen und werde es heute Abend auf dem Mac installieren)
Doch doch, der wird grad
2. August 2010 - 15:11 — VioDoch doch, der wird grad schon recht häufig angeklickt.
DarkVamp wrote:hey einige
2. August 2010 - 15:40 — SynthexHast ja nix zu den Hardwareanforderungen geschrieben und die von Blizzard sind sehr wässtig. Braucht man nen Monsterrechner dafür ?
(habs gerade bekommen und werde es heute Abend auf dem Mac installieren)
Oder geht es auch auf einem Budget Laptop *g* ? Starcraft 1 läuft bei mir jedenfalls flüssig :-P
Ob es mit einem Intel gma x4500 Grafikchip lauffähig ist ?
Ohje Intel sehe ich
2. August 2010 - 15:42 — DarkVampOhje Intel sehe ich schwarz... Ich hoffe halt mit niedrigen Details auf meiner "nVidia 9400M" spielen zu können.
Ich bin komplett kein
2. August 2010 - 19:35 — ZabucrackerIch bin komplett kein Strategiefan. Das hat sich nach unzähligen Niederlagen in Command & Conquer, Warcraft und Konsorten immer wieder rausgestellt. XD Ich kann's einfach nicht und an sich machen mir solche Spiele nicht wirkich viel Spaß. Ich war an sich einfach nur neugierig wie das Spiel abgeschnitten hat. Anscheinend ganz gut. ^^
DarkVamp wrote: Hast ja nix
3. August 2010 - 8:18 — JudeauHast ja nix zu den Hardwareanforderungen geschrieben und die von Blizzard sind sehr wässtig. Braucht man nen Monsterrechner dafür ?
Ums aber mal ganz genau zu machen:
PC: Windows XP und aufwärts - Direct X 9.0c - 2,6 GHz Pentium IV oder vergleichbar - 128 MB PCIe GraKa - 1 GB RAM - 1,5 GB RAM ab Vista
Mac: OS X 10.5.8, 10.6.2 oder neuer - Intel Prozessor - NVIDIA GeForce 8600M GT oder ATI Radeon HD X1600 oder besser - 2 GB RAM
genau die Angaben stehen auf
3. August 2010 - 9:16 — DarkVampgenau die Angaben stehen auf der Seite wollte persönliche Erfahrungen.
Also die minimalen Mac Vorraussetzungen sind schonmal für die Tonne.
Unter einer "nVidia 9400m" mit 256MB Ram (ist in vielen Notebooks und MacMini verbaut und dafür braucht man 4GB Hauptspeicher) braucht man nicht zu spielen.