
Nach dem letztjährigen Symphonic Odysseys-Konzert verwandelte sich die Kölner Philharmonie am 5. und 6. Juli wieder zum Mekka für Fans von Kingdom Hearts, Chrono Trigger, Secret of Mana und natürlich auch Final Fantasy. Denn nach dem sehr erfolgreichem Debüt im Jahre 2009, beschloss das Management, dass Symphonic Fantasies nach Deutschland zurückkehren muss. Und somit wurden wir ein weiteres Male Zeuge einer bahnbrechenden Produktion, die als Wegweiser für das gesamte Genre der Videospielmusik gilt. Diese Worte stammen von Nobuo Uematsu höchstpersönlich.

Wer 2009 das Konzert miterleben durfte, sei es nun in der Philharmonie selbst oder via Videostream, oder stolzer Besitzer der CD ist, der weiß nun auch wie die Arrangements im Jahre 2012 klingen. Denn die vier "Fantasien", wie die einzelnen Suiten genannt werden, blieben weitesgehend identisch. Das soll definitiv keine Kritk sein, denn wie heißt es doch so schön: "Never change a winning arrangement!" In diesem Artikel möchte nicht detailliert auf die verschiedenen Stücke eingehen, denn das kann die Musik viel besser ausdrücken, als ich es mit Worten jemals könnte. Stattdessen gebe ich euch Einblicke, wie ich die sinfonischen Fantasien erlebt habe.
Ich habe die Symphonic Fantasies-CD mittlerweile so oft gehört,
aber schon kurz nach Beginn der "Fanfare Overture" von Jonne Valtonen merkte ich, dass es ein völlig anderes Gefühl ist, einen Konzertmitschnitt zu Hause auf der Couch zu hören oder im Konzertsaal selbst zu sitzen. Es hat einfach etwas Besonderes, Einzigartiges und Magisches, wenn man begünstigt durch die Akustik der Philharmonie, ein unvergleichliches Konzert erleben darf.
Frei nach dem Motto "Ladies first", machte Yoko Shimomura und ihre Musik von Kingdom Hearts den Anfang. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich kein großer Fan dieser Reihe bin, aber als Benyamin Nuss "Dearly Beloved" einstimmte, wurde ich schlagartig daran erinnert, wie sehr ich doch diesen Sou
ndtrack liebe. Der junge Pianist spielte während der gesamten Suite wieder mit einer Leidenschaft, die ich schon beim Symphonic Odysseys-Konzert sehr bewundert habe.
Yoko Shimomura sagte, dass die Symphonic Fantasies-Konzerte, die größtmögliche Ehrung ihrer Arbeit seien. Nachdem ich das gelesen habe, musste ich während dem Konzert kurz zu ihr nach unten schauen und mich fragen, wie sie wohl das Ganze erlebt. Sie hat immerhin die Musik komponiert und zu hören, wie ein gesamtes Orchester diese Musik nachspielt, muss ein unbeschreibliches Gefühl sein.
Kennt ihr übrigens auch das Gefühl, ihr befindet euch in einem Traum aus dem ihr niemals wieder erwachen wollt und dann plötzlich doch der Wecker klingelt? So ging es mir bei dem Secret of Mana-Part, als bei einer kurzen Stille plötzlich jemand anfing zu klatschen und mich aus meinem Hiroki Kikuta-Traum holte. Das war zwar ärgerlich, aber immerhin konnte ich danach
wieder "einschlafen". Die zweite Fantasie, Secret of Mana, gehört bis zum heutigen Tage zu meinem absoluten Lieblingsteil des Konzertes. "Fear of the Heavens" zählt zu den besten Themesongs, die jemals komponiert wurden und ich liebe es, dass die gesamte Suite um diesen Song herum aufgebaut wurde. Immer wenn ein anderes Lied des Rollenspielklassikers vom Orchester gespielt wurde, kam kurz darauf wieder diese unvergleichliche Melodie und ich erwischte mich dann dabei wie ich denke: "Das ist der beste Part!" Nur um wenige Minuten später wieder dasselbe zu denken. Das Arrangement endete mit den Klängen fallender Regentropfen. Wobei ich glaube, dass es die glücklichen Tränen von rund 4000 angereisten Abenteurer waren.
Luft holen, Wasser trinken, CDs kaufen und Autogramme holen. Die Pause war in vielerlei Hinsicht bitter notwendig, aber letztlich wollten alle, dass das Konzert weitergeht und am Besten auch niemals endet. Was eine gewagte Aussage ist, denn bei Chrono Trigger weiß man schließlich nicht immer, wo die Zeit anfängt und wo sie aufhört. Das Management sorgte aber dafür, dass die dritte Fan
tasie noch am 6. Juli 2012 stattfindet und Arrangeur Roger Wanamo fasste mehrere Jahrhunderte in 17 Minuten und 39 Sekunden zusammen. Das WDR Rundfunkorchester Köln wurde während dieser Suite vom Libanesen Rony Barrak, der als professioneller Percussionist für ein orientalisches Flair sorgte. Dafür das uns der Rollenspielklassiker schändlicherweise lange (ganze 14 Jahre!) vorenthalten wurde, war der dazugehörige Applaus alles andere als verhalten. Als die Suite mit einem Crescendo endete, wurde geklatscht und gejubelt, wie bei den vorherigen Arrangements. Eine Steigerung davon gab es erst danach. Bei der finalen Fantasie.
Von ScrewAttack auf Platz 8 der besten Themesongs aller Zeiten gewählt, steht
das "Prelude" für all das, was Final Fantasy seit jeher ausmacht. Für einzigartige und wundervolle Spielemomente. Als die vierte und letzte Fantasie begann, war es völlig egal, ob die populäre Reihe scheinbar immer tiefer sinkt oder ob Square Enix nun in den letzten Jahre lauter falsche Entscheidungen getroffen hat. Nach den ersten Sekunden wird jeder im Saal oder zu Hause gewusst haben, dass Final Fantasy immer einen besonderen Platz im Herzen von Millionen Rollenspiel-Fans haben wird und diese musikalische Ehrung ist und bleibt ein schlagkräftiger Beweis, als auch ein Meilenstein der Videospielmusik.
Das waren sie nun: Die großen vier Fantasien. Kingdom Hearts, Secret of Mana, Chrono Trigge
r und Final Fantasy. Aber was wäre ein Konzert ohne Zugabe und ein Rollenspiel ohne Endboss? Also haben sich die kreativen Köpfe ein Schmankerl ausgedacht. Eines das Kefka (Final Fantasy 6) und Sephiroth (Final Fantasy 7) sicherlich gut gefallen hätte, denn im Boss Medley standen diese zwei Ikonen des Bösen im Vordergrund. Natürlich waren auch die anderen Rollenspiele vorhanden, aber besonders diese zwei musikalischen Klassiker sind mir im Gedächtnis geblieben, was vor allem an dem äußerst genialen und verspielten Duett zwischen Pianist Benyamin Nuss und Percussionist Rony Barrak lag. Wie in einer Art Showdown zeigten die beiden Talente, dass sie Meister ihres Faches sind und sowohl alleine, als auch gemeinsam brillieren können. Eine Leistung, die mit jubelnden Applaus geehrt wurde, noch während das Orchester weiterspielte!
Was danach kam, kann sich wohl jeder vorstellen. Standing Ovations ohne
Ende! Die Musiker kamen auf die Bühne und gingen wieder. Nur um wenige Sekunden wieder auf die Bühne zu kommen und wieder zu gehen. Der Hals schmerzte vor Jubel, die Hände vor lauter Klatschen, aber jeder im Saal war bereit, diese Schmerzen zu ertragen, denn sie waren im Vergleich nur von kurzer Dauer. Das orchestrale Abenteuer war wieder am Ende angelangt und das war der bittere Nachgeschmack nach einer solch süßen Sinfonie. Aber wie es auch bei den leckersten Süßwaren ist, so sollte man sie in Maßen genießen. Denn mit Final Symphony im Mai 2013 werden wir wieder sündigen und müssen dafür noch nicht mal um Vergebung bitten. Denn das wäre wohl die größte aller Sünden.
Wie schon am Anfang des Artikels steht, so habe ich meinen Fokus weniger auf die einzelnen Stücke gelegt, da die Musik an sich das nun mal viel besser ausdrücken kann. Damit sich dieser Umstand ändern kann, verlose ich drei Exemplare der Symphonic Fantasies-CD, die durch den Pianisten und Jungspund Benyamin Nuss freundlicherweise veredelt wurde. Was ihr dafür machen müsst? Tja, fleißig gelesen haben!
Welch Fantasie gefällt mir bis zum heutige Tage am Besten?
Dürfte ja nicht so schwer sein, oder? Eure Lösung schickt ihr an zabucracker@zockerhausen.de. Einsendeschluss ist der 16. Juli 2012. Ihr habt also eine Woche Zeit dieses höchst komplizierte Geheimnis zu lüften!
