Symphonic Odysseys - Die Musik kennt keine Grenzen

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Nachdem Videospiele erfolgreich auf den Markt gebracht wurden und somit aus den heimischen vier Wänden nicht mehr wegzudenken waren, sahen die Entwickler in der Musik ein mächtiges Instrument, welches ihren Spielen eine eigene Persönlichkeit geben konnte. Denn wie kein anderes Medium, vermag die Musik den Zuhörer in andere Welten zu versetzen, welche nur in der Fantasie des Menschen existieren.

Symphonic Odysseys - Die Musik kennt keine Grenzen

Schon zu Zeiten als die erste Nintendo-Konsole im Handel erhältlich war, gab es Komponisten, die mit ihren musikalischen Stücken Millionen von Fans begeisterten. Viele dieser Stücke gelten auch noch heute als Klassiker der Videospielgeschichte. Einer dieser Pioniere ist beispielsweise Koji Kondo, der mit seinen Melodien zu The Legend of Zelda und Super Mario Bros. solche unverkennbaren Klassiker geschaffen hatte. Oder Hiroki Kikuta mit seinen Kompositionen für das SNES-Rollenspiel Secret of Mana. Die Liste könnte endlos weitergehen, doch nur einer dieser Musiker, konnte mit seinen unvergleichlichen Melodien, nicht nur die Ohren, sondern auch die Herzen der Videospieler erreichen. Ein Mann, der mit zwölf Jahren anfing Klavier zu spielen und sich immer wieder von Elton Johns Musik beeinflussen lässt. Die Rede ist von niemand anderem als dem weltweit bekannten Komponisten Nobuo Uematsu. Im Laufe der letzten Jahrzehnte schuf der Japaner nicht nur für Computer- und Videospiele, sondern auch für zahlreiche Filme und TV-Serien, Meisterwerke für die Ewigkeit. Viele Fans verneigen sich vor Uematsu, in dem sie seine Stücke auf jedem erdenklichen Musikinstrument nachspielen, um so den Kultstatus seiner Musik auch für die Nachwelt zu verdeutlichen. Die größte Ehre erwies ihm jedoch nicht seine Fangemeinschaft, sondern ein cleveres Management, welches mit einem eingespielten Orchester und einem stimmgewaltigen Chor, die Musik Uematsus in Konzerthallen zum Leben erweckte. Unter dem Namen Symphonic Fantasies wurden im September 2009 nicht nur die Kompositionen von Uematsu geehrt, sondern auch die von Yoko Shimomura, Hiroki Kikuta und Yasunori Mitsuda. Alle haben mit ihren einzigartigen Klängen einen großen Teil zum Erfolg von Square bzw. Square Enix beigetragen. Einen riesigen Erfolg kann man auch die Konzerte nennen, denn nur knapp zwei Jahre später, im Juli 2011, kam die Fortsetzung, Symphonic Odysseys, für zwei Vorstellungen in die Kölner Philharmonie und wie schon bei dem griechischem Helden Odysseus, wird diese abenteuerliche Reise in die Geschichte eingehen.

Gänsehaut, Kindheit und weinen

Ein signalisierender Klang ertönte im Foyer der Kölner Philharmonie und sollte die Besucher auffordern, ihre Plätze aufzusuchen, damit das Konzert nun langsam beginnen konnte. Doch die Menge verharrte weiterhin auf ihrem Platz. Der Grund? Großmeister Nobuo Uematsu gab noch Autogramme und machte Fotos mit seinen Fans. Erst nachdem das Signal zum zweiten Male ertönte, erhob sich Uematsu und die Konzertgänger ohne Unterschrift, nahmen etwas enttäuscht ihre Plätze in den jeweiligen Blöcken ein. Diese Enttäuschung sollte jedoch nicht lange währen, denn als sich der Saal immer mehr füllte und die rund 2000 verfügbaren Plätze besetzt wurden, kam auch das WDR Rundfunkorchester Köln auf die Bühne, um die letzten Vorbereitungen für das zweieinhalbstündige Konzert zu treffen. Nach scheinbar endlos langem Warten, wurde das Licht gedämmt, das Orchester und der Chor nahmen mit gebührendem Applaus ihre Plätze ein, so dass Moderator Ralph Erdenberger dem Publikum nochmals darauf aufmerksam machen konnte, alle Handys im Saal doch bitte auszuschalten. Herr Erdenberger soll auch für den Rest des Abends die Einführungen der einzelnen Arrangements übernehmen und zwischendurch für eine gewisse Unterhaltung sorgen.

Nun stand der Odyssee nichts mehr im Wege und unter der Leitung des Dirigenten Arnie Roth, schickte das Rundfunkorchester die anwesenden Gäste hinaus aus dem Saal in eine Welt, welche Nobuo Uematsu mit seiner Musik meisterlich geschaffen hatte. Das Konzert wurde in insgesamt vier Parts aufgeteilt. Das Intro, die Klassiker, die Gegenwart und das Finale. Während des gesamten Spektakels wurden Scheinwerfer und Nebelmaschinen eingesetzt, um aus dem musikalischen Traum ein audiovisuelles Epos für alle Besucher werden zu lassen. Opulent eröffnet wurde das Konzert von der allzu bekannten Eröffnungsfanfare, gefolgt von einem 15-minütigen Arrangement von Roger Wanamo zu Final Fantasy. Begleitet wurden die passionierten Musiker vom jungen Pianisten Benyamin Nuss, der mit federnden Bewegungen und einer spielerischen Leichtigkeit, bekannte Themen aus der Final Fantasy-Reihe mitreißend auf dem Klavier nachspielte. Zu den Titeln zählte unter anderem das "Main Theme" aus dem ersten Final Fantasy, "The Boundless Ocean" aus Final Fantasy III und das imposant inszenierte "Battle to the Death" aus Final Fantasy VI.

Eher unbekannt dürfte sowohl das Spiel King’s Knight, als auch die dazugehörige Musik von Uematsu sein. Dieser Umstand hielt Jonne Valtonen jedoch nicht davon ab, die einzelnen Stücke des Actionspiels so zu komponieren, dass selbst Videospieler, die nicht mit dem Spiel vertraut waren, in Verzückung gerieten.
Umso vertrauter werden die Fans wohl mit Rollenspielklassiker Chrono Trigger sein, denn auch für dieses SNES-Spiel zeichnete Uematsu sich für einen Teil des Soundtracks aus, als der Hauptverantwortliche Yasunori Mitsuda krankheitsbedingt pausieren musste. Unter anderem stammt das geheimnisvolle "Silent Light" aus der Feder des Maestros und wurde mit den Texten von Mikko Laine noch weiter ausgebaut. Wie die meisten Kompositionen wurde auch dieses Stück von Jonne Valtonen arrangiert. Eine größere Herausforderung stand dem Finnen jedoch mit der Umsetzung von zwei Game Boy-Melodien bevor, denn auch für Nintendos Handheld gab es zwei Final Fantasy-Titel, die unter den Namen The Final Fantasy Legend und The Final Fantasy Legend II auf den Markt kamen. Aber Valtonen wäre nicht der ausgezeichnete Komponist, wenn er auch diese Leistung nicht mit Bravour gemeistert hätte. Er schaffte es die bescheidenen Klänge der Handheld-Ableger für ein großes Orchester so umzuschreiben, dass die Zuhörer im Saal eine Hymne vorgespielt bekamen, die direkt aus einem Film hätte stammen können. Vor der Pause wurde noch ein Arrangement präsentiert, welches auch gleichzeitig eine Pause für Uematsu darstellte. Denn nach seiner Arbeit für Final Fantasy X hatte sich der Japaner zurückgezogen und der erfolgreichen Rollenspielserie vorerst den Rücken gekehrt. Jedoch hat sich dieser Umstand nicht auf die Qualität des Soundtracks ausgewirkt, denn auch das ausgewählte "A Fleeting Dream" wurde vom WDR Rundfunkorchester mit dem dazugehörigen Chor brillant in Szene gesetzt. Erst nach diesem Lied konnten die Besucher für einige Minuten auf die Erde zurückkommen und sich erholen. Doch das Konzert war noch lange nicht vorbei.

Zusammenarbeit der Länder

Die Gäste konnten die Pause nutzen, um mit Gleichgesinnten über das bisherige Erlebnis zu quatschen, um etwas zu trinken oder doch um ein paar CDs zu kaufen. Benyamin Nuss plays Uematsu, Symphonic Fantasies und die CD Octave Theory von den Earthbound Papas waren käuflich zu erwerben. Je nachdem für welche CD man sich letztlich entschied, der Käufer konnte seine Neuheit von dem Pianisten Benyamin Nuss unterzeichnen lassen. Doch auch diese Zeit war begrenzt, denn die Musiker rund um Arnie Roth brannten darauf, das Konzert in die zweite Hälfte zu führen. Den Anfang machte der Titel "Spreading Your Wings", ein wunderschönes und ruhiges musikalisches Werk, welches aus dem Nintendo Wii-Rollenspiel The Last Story stammt. Europäische Spieler müssen sich noch bis 2012 auf das fertige Spiel gedulden, aber nach diesem Konzert, können es Fans wohl kaum noch erwarten, in die neu geschaffene Welt von Hironobu Sakaguchi und Nobuo Uematsu einzutauchen. In eher ruhigen Gewässern blieb auch "On Windy Meadows" aus dem Online-Rollenspiel Final Fantasy XIV. Für diesen Teil der Reihe kehrte Uematsu aus seiner Abstinenz zurück und komponierte diesen Soundtrack im Alleingang.

Vor The Last Story arbeiteten Sakaguchi und Uematsu schon an Blue Dragon zusammen, dem ersten Titel vom Entwicklerstudio Mistwalker. Wie schon "Spreading Your Wings" und "On Windy Meadows", blieb auch "Waterside" sehr ruhig und vor allem träumerisch, da der Schwerpunkt bei den Streichinstrumenten lag. Vor allem Violinist Juraj Cizmarovic rührte mit seiner musikalischen Begabung die Zuhörer zu Tränen. Gerade nach der Ankündigung der letzten Suite des Konzertes, waren viele der Besucher den Tränen nahe, doch das Arrangement aus sechs Musikstücken aus Lost Odyssey, soll noch einmal für unvergessliche Momente sorgen. Das "Main Theme", "A Formidable Enemy Appears!", "A Sad Tolten", "Dark Saint", "Light of Blessing ~ A Letter" und der "Epilogue" bildeten die Grundlage für dieses 20-minütige Epos. Ein Glockenspiel am Ende der Suite soll auch gleichzeitig das Ende des Abenteuers einläuten. Doch wie erfahrene Konzertgänger schon ahnten, war die Verabschiedung der einzelnen Musiker noch lange nicht alles. Denn das große Finale kam nach endlos scheinenden Standing Ovations in Form von "To Zanarkand" aus Final Fantasy X und das "Battle Theme" aus Final Fantasy VII. Für das Encore wurde noch einmal Benyamin Nuss auf die Bühne geholt und zeigte ein weiteres Male seine überragenden Künste auf dem Klavier. "To Zanarkand" wurde melodramatisch inszeniert, während das "Battle Theme" dafür sorgte, dass das Konzert mit einem großen Knall und weiteren stehenden Ovationen endete.

Noch beim Hinausgehen konnte man erkennen, wie viele passionierte Fans der Serie in ihren Gedanken vertieft waren. Die ganzen Erinnerungen, die sie mit ihren Lieblingsspielen verbanden, wurden an diesem Tage von talentierten Musikern zum Leben erweckt. Dieses Leben wurde erst durch die Zusammenarbeit verschiedener Länder möglich. Aufgeführt von einem deutschem Orchester. Dirigiert von einem Amerikaner. Arrangiert von einem Finnen. Komponiert von Japanern. Und dank einer Live-Übertragung konnte es die ganze Welt miterleben. Für einen Tag ist diese Welt ein Stückchen näher zusammengerückt und Nobuo Uematsu hat gezeigt, dass trotz verschiedener Nationen, die Musik eine einheitliche Sprache bildet. Eine Sprache, die jeder Mensch verstehen kann.

Weitere Bilder von Fotograf Klaudius Dziuk könnt ihr euch hier anschauen.

Quelle: 
Zabucracker, Bilder: Klaudius Dziuk

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Kommentare

Bild von Toto

Sehr schön :) Wäre gerne

Sehr schön :)
Wäre gerne dabei gewesen.
Und wieder einmal hast du einen schönen Beitrag verfasst :)

Bild von fox_sb

Ja, echt schönes

Ja, echt schönes Special!

Sieht man auch schön, wie verschieden die Geschmäcker sind. Denn bei Maniac.de findet sich ein ähnlicher Beitrag, der kein so positives Fazit zieht.

http://www.maniac.de/content/symphonic-odysseys-%E2%80%93-tribute-nobuo-...

Bild von Vio

Episch!

Episch!

Bild von DarkVamp

Oh war bestimmt total klasse!

Oh war bestimmt total klasse! Musste sofort wieder an mein "Joe Hisaishi" Konzert in Peking denken. Dauernd Pipi in den Augen lol