
Rasante Kamera-Fahrten, so massive Projektilhagel, dass Reizüberflutung droht, und ein saftiger Schwierigkeitsgrad - unser Zockerhausener Shoot 'em Up-Experte Shinespark hat sich allen Widrigkeiten zum Trotz Sin and Punishment: Successor of the Skies geschnappt. Wie das Dauerfeuer-Geballer auf der Wii abschneidet, lest Ihr in seinem Test.

Spieltitel: Sin and Punishment: Successor of the Skies (US-Titel: Sin and Punishment: Star Successor)
System: Wii
Genre: Shoot 'em Up
Entwickler: Treasure Video Games
Publisher: Nintendo
Spieleranzahl: 1-2 Spieler
Datenträger: Wii Optical Disc
Vor fast genau zehn Jahren entwickelten die japanischen Baller-Experten von Treasure (u.a. bekannt für Gradius V, Radiant Silvergun und Ikaruga) ein Spiel für den Nintendo 64, das die westliche Zockergemeinde erst sieben Jahre später auf der Virtual Console der Wii erreichen sollte. Durch die damals sehr positiven Wertungen für Sin and Punishment: Successor of the Earth, gilt das Spiel auch heute noch als eine der Import-Perlen auf Nintendos erster 3D-Konsole.
Nun, anno 2010, und nach erneut etwas Wartezeit gegenüber den Japanern, ist seit einigen Monaten der Nachfolger für die Wii erhältlich. Ob Treasure ein zweites Mal einen bemerkenswerten Eintrag in ihre ruhmreiche und Arcade-lastige Spieleliste setzen können? Schau'n mer mal. ;-)
Die Geschichte spielt gut einige Jahre nach der Handlung des Vorgängers und dreht sich, wie sollte es auch anders sein, um die beiden spielbaren Hauptfiguren Isa und Kachi.
Letztere ist ein Mädchen, das einst von Aliens als Agentin auf die Erde geschickt wurde, um die Menschheit zu unterwerfen. Isa selbst hatte eigentlich den Auftrag, sie zu töten, um die Erde zu retten. Allerdings findet er heraus, dass Kachi sich nach einer Amnesie mit den Menschen angefreundet hat, und er beschließt, sie zu beschützen. Dies missfällt jedoch Isas Auftraggebern und so wollen sie ihn für den Verrat büßen und ihn durch eine gewaltige Armee namens Nebulox töten lassen, sowie Kachi, aufgrund ihrer massiven Kräfte, in ihre Gewalt bringen.
Vor Originalität strotzt die Geschichte sicherlich nicht gerade und auch merkt man relativ schnell an der Produktionsqualität, dass das Hauptaugenmark definitiv nicht darauf lag, dem Spieler eine Handlung mit Tiefgang zu vermitteln. Wer Titel von Treasure kennt, erwartet dies auch sicherlich nicht und ich bin mir ziemlich sicher, dass man zu Beginn jeder Cutscene nicht umsonst eine Einblendung findet, wie man selbige schnellstmöglich überspringen kann.
Wenn man sich die Titel aus dem Hause Treasure ansieht, dann bekommt man schnell das Gefühl, dass so mancher Designer bei den Japanern sadistisch veranlagt ist, denn was einem da geboten wird, bringt selbst langjährigen Zocker-Veteranen einige - im virtuellen Sinne - schmerzhafte Erfahrungen bei. Glücklicherweise gehören Treasure nicht zu den Spiele-Designern, welche sich nur durch unfaire Levels in den Vordergrund drängen. Neben dem anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad stehen auch für Shmups tief gehende Kampfsysteme, hervorragendes Level-Design und intensive Action ganz oben - und Sin And Punishment: Successor of the Skies ist da keine Ausnahme.
Bevor es in die gewaltigen Schlachten geht, darf man allerdings noch aus den beiden Spielfiguren Isa und Kaichi seinen Favoriten wählen. Beide verfügen über unterschiedliche Feuertechniken und Spezial-Attacken, was schon mal den Anreiz erhöht, das Spiel mehrmals in Angriff zu nehmen.
In einem kurzen Tutorial-Level wird man schnell mit den verschiedenen Angriffsmöglichkeiten und Moves vertraut gemacht und das ist genau der Punkt, welcher das Gameplay so faszinierend macht. Neben dem normalen Schnellfeuer und einer Nahkampf-Attacke kommt ebenfalls ein aufladbarer Superschuss ins Spiel. Letzterer sollte allerdings mit Bedacht eingesetzt werden, da nach Gebrauch bis zum nächsten Einsatz immer eine gewisse „Abkühlzeit“ verstreichen muss. Nahkampf-Angriffe richten zwar am meisten Schaden an, haben aber natürlich nur sehr geringe Reichweite. Dafür bieten sie die Möglichkeit, bestimmte Projektile oder Sprengkörper auf die Gegnermassen zu reflektieren. Man merkt also, dass das Treffen schneller Entscheidungen ganz oben auf der Tagesordnung steht.
Während man zu Beginn eigentlich nur versucht, irgendwie seine Haut zu retten, verleiten die verschiedenen Angriffe bei späteren Spieldurchgängen mehr und mehr dazu, vor allem bei den gigantischen und zahlreichen Bossgegnern neue Angriffsstrategien zu entwerfen, um sie noch schneller in die Knie zu zwingen.
Aber nicht nur ballern will gelernt sein, sondern auch das richtige Bewegen und Ausweichen. Auch hier lässt Successor of the Skies dem Spieler allerhand Möglichkeiten, denn wer geglaubt hat, hier einen stumpfen Railshooter vorzufinden, liegt leider etwas daneben. In den meisten Stages ist es möglich, sich sowohl auf dem Boden zu halten, als auch per Jetpack bzw. Hoverboard durch die Lüfte zu fliegen. Um sich dem gegnerischen Dauerfeuer zu entziehen, hilft neben guten Reflexen und Sprüngen vor allem die Seitwärts-Rolle, welche sogar durch jegliche feindliche Angriffsformen hindurch geht, ohne dabei Schaden zu nehmen.
Aus dieser Fülle an Informationen entwickeln sich auf dem Bildschirm in Windeseile äußerst intensive Schlachten, die sowohl Eure Frust-Resistenz als auch Euer Geschick auf eine harte Probe stellen. Denn ist letzteres bei dem oftmals brutalen Schwierigkeitsgrad nicht vorhanden, wird der Game Over-Screen ganz schnell zum besten Freund. Aber glücklicherweise hatten die Jungs und Mädels von Treasure auch ein Herz für Gelegenheitsspieler und bieten unendlich viele Continues sowie äußerst großzügig verteilte Checkpoints. Im Nachhinein muss man sich auch nicht schämen, den Schwierigkeitsgrad auf "Easy" zu stellen, denn selbst dabei ist das Spiel alles andere als einfach. Viel eher geht der gradlinige Adrenalin-Trip viel zu schnell vorbei, denn Sin And Punishment: Successor of the Skies umfasst gerade einmal sieben Levels.
Wer dennoch Probleme mit den Gegnerhorden hat, kann sich mit einem zweiten Spieler im Koop-Modus vergnügen. Allerdings ist es doch eher komisch, dass man beim zweiten Spieler nur ein Fadenkreuz zu Gesicht bekommt, obwohl es doch zwei spielbare Figuren gibt. Als Steueroptionen werden neben dem Wii-Zapper auch der GameCube- und der Classic Controller unterstützt. Aber ich tendiere lieber zur Standard-Steuerung mit Wii-Remote und Nunchuk.
Zu guter Letzt bleiben noch weltweite Ranglisten zum Vergleich der High-Scores. Wundert es eigentlich noch irgendjemanden, dass im härtesten Schwierigkeitsgrad die ersten 20 Plätze allesamt von Japanern belegt werden?
Monstermassen und Projektilhagel können die japanischen Ballergurus nicht erst seit gestern umsetzen und genau so beherrschen sie es auch heute noch. Das Spiel läuft trotz unzähliger Geschehnisse im Vorder- und Hintergrund zu jeder Zeit mit einer ordentlichen Framerate und ist dazu noch ein echter Augenschmaus. Besonderes Highlight sind die Endgegner, welche vom Design her auch aus japanischen Monsterfilmen stammen könnten. Auch wird die Action während des Spielgeschehens durch rasante Kamerafahrten absolut kinoreif eingefangen, ohne dabei die Übersicht in Mitleidenschaft zu ziehen.
Kurz gesagt, Sin And Punishment: Successor of the Skies ist für mich eines der schönsten Wii-Spiele überhaupt.
Leider kann man das nicht unbedingt von den Zwischensequenzen sagen. Vor allem Kachi und Isa wirken eher wie hypnotisierte Puppen aus der "Muppet Show", als dass sie ihre Rollen glaubwürdig verkaufen würden. Aber das fällt auch wirklich nur in den Cutscenes auf. Und nochmal: Wer dieses Spiel wegen der Story spielt, dem ist wohl eh nicht zu helfen.
Womit wir auch schon beim größten Schwachpunkt des Spiels wären, denn an der miesen Präsentation der ohnehin schon schwachen Story nagt vor allem die Sprachausgabe. Vor allem wundert das, weil mit Grant George ein bekannter Anime-Sprecher für die englische Stimme von Isa verpflichtet wurde. Ob da nun die Bezahlung nicht stimmte oder die Motivation... wer weiß das schon.
Die einzelnen Stages werden durch schnelle Techno-Musik jedoch toll begleitet, was das Spielgeschehen noch intensiver macht. Dazu kommen wuchtige Effekte bei Explosionen sowie phantasievolle Sci-Fi-Samples.
Mein lieber Herr Gesangsverein! Es gibt tatsächlich Spieleschmieden, die bleiben ihren Leisten seit Anbeginn ihrer Zeit treu. Und das dazu auch noch in einer unbeschreiblich guten Qualität. Sin And Punishment: Successor of the Skies zeigt einmal mehr, wer in Sachen Arcade-Action und Design die Hosen an hat. Gleiches lässt sich im Übrigen auch über den Schwierigkeitsgrad sagen, der zwar knüppelhart ist, aber niemals unfair erscheint. Ein Spagat, den auch nur die wenigsten beim Level-Design hinkriegen, und dank der ausgezeichneten Steuerung macht das Spiel ungemein süchtig.
Schade, dass man nicht genau so viel Sorgfalt in die Präsentation der Zwischensequenzen gelegt hat oder in den Umfang. Aber nochmal: Die Story interessiert keinen bei Arcade-Shootern. Am Ende bleibt meiner Meinung nach einer der besten Dritthersteller-Titel für die Wii, der zwar nicht zwangsläufig in jede Spielesammlung gehört, da jeder, der eher Wii Fit spielt, wohl einen sofortigen Genickbruch bei Successor of the Skies erleiden würde, aber im Herzen von Retro- und Arcade-Fans ein festen Platz haben sollte.
Kommentare
Tolles Review, grandioses
5. August 2010 - 12:23 — VioTolles Review, grandioses Spiel - hatten wir ja auch schon mal bei PLAY'D im Livezock.
Aber: Sackschwer. :)
Ich liebe das Spiel! Einfach
5. August 2010 - 22:00 — SynthexIch liebe das Spiel! Einfach alles daran.
Wieder einmal erstklassiges
8. August 2010 - 18:51 — Heavy Metal FarmerWieder einmal erstklassiges Review. Es hat mir viel Spaß gemacht, es zu lesen, selbst wenn mich das Spiel nur mittelmäßig interessiert.