Zockerhausen-Kolumne: Breath of the Wild oder: Wieso Bewertungen völlig irrelevant sind

Bild von Benni
PS4Xbox OneWii UPC3DSFun

“Drink bleach, you fat miserable c**t!“ – das ist der featured comment und nur einer der unzähligen weiteren liebenswerten Kommentaren zu Jim Sterlings Review für The Legend of Zelda: Breath of The Wild. Jim mochte das Spiel, nur nicht so sehr wie alle anderen. Und das stößt nicht auf viel Gegenliebe.


Nintendos großes Highlight hat derzeit eine Bewertung von 97 Punkten auf Metacritic, basierend auf 91 Kritiken (Stand: 19. März 2017). Und Fans gehen auf die Barrikaden, da sie Jim Sterlings Review (7/10) dafür unter anderem verantwortlich machen, dass es keine 98 Punkte mehr sind. Ich habe (noch) nicht das neue Zelda gespielt habe, aber soweit ich es beurteilen kann, klingt sein Artikel für mich fair und ehrlich geschrieben. Er spricht die negativen Punkte an, die ich in anderen Berichten mit perfekten Wertungen ebenfalls gelesen habe, nur mit dem Unterschied, dass er diese Punkte ebenfalls in seine Endbewertung einfließen ließ. Das ist kein Verbrechen, wie viele es darstellen, sondern einfach nur seine ehrlich Meinung.

Ich möchte den anderen Kritikern jetzt sicherlich nicht unterstellen, dass ihre Berichte unehrlich seien, ganz im Gegenteil. Es kommt einfach darauf an, wie jeder Spieler das Spiel für sich erlebt. Sei er oder sie nun ein/e Kritiker/in oder nicht. Breath of The Wild ist kein perfektes Spiel – das haben sogar Reviewer gesagt, die dem Spiel eine perfekte Bewertung gegeben haben. Aus dem einfachen Grund, da diese kleineren Mängel wie Einbrüche in der Framerate ihren Spielspaß in keinster Weise unterbrochen haben. Jim Sterling hat das schon eher gestört oder den Eazy Allies, die dem Spiel 4 ½ Sternen von 5 möglichen gegeben haben, wegen genau diesen Einbrüchen. Oder manche mögen die Einbindungen von einer Waffenhaltbarkeit und Ausdauerleiste, während andere die geringe Ausdauerleiste und das dauernde Zerbrechen der Waffen bemängeln.

Der OG der zerstörten Waffen.

Aber wenn die Fangemeinde unbedingt wütend auf jemanden sein möchte, dann sollte sie das eher auf sich selbst. Denn zum derzeitigen Stand liegt der User score von The Legend of Zelda: Breath of The Wild bei 7.5, basierend auf über 8000 Bewertungen! „Klar, das sind nun mal die Haters, die Sony und Microsoft-Fanboys!“. Kann sein, aber wo es Hater gibt, gibt es auch Fanboys. Im Grunde gleicht sich das also aus. Einige der negativen Reviews ähneln dem von Jim Sterling. Die offene Spielwelt war leer, die Framerate hat nicht gepasst, die Ausdauerleiste ist viel zu schnell leer und so weiter. Es sind kleine Dinge, an die sich viele nicht gestört haben und diese Mängel als Korinthenkackerei bezeichnen würden. Wenn sich dennoch genügend kleine Fehler anhäufen, dann sollte es niemanden überraschen, dass sich das vielleicht bei anderen in ihrer Endbewertung widerspiegeln lässt. Wie es so schön heißt: „Kleinvieh macht auch Mist.“

Biff mag weder Kleinvieh, noch Mist.

Diese Fehler machen das Spiel um Gottes Willen nicht schlecht, es macht es einfach nicht perfekt. Wann wird denn Perfektion wirklich erreicht? Wenn es absolut nichts zu bemängeln gibt? Oder wenn es nichts Besseres geben kann?

Antoine de Saint-Exupery hat es damals schön formuliert: „Perfektion wird nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn es nichts mehr zum Entfernen gibt.“ Und basierend auf den Kritiken von Breath of The Wild gibt es ein paar Mängel, die es noch zu entfernen gäbe.

Ich dachte damals auch, dass Persona 4 das perfekte Spiel ist und ich mir nicht vorstellen konnte, wie Atlus das noch hätte besser machen könnte. Dann kam Persona 4 Golden für die PlayStation Vita raus und es hat das ursprüngliche Spiel nochmal verbessert, wo ich überhaupt keinen Raum für Verbesserungen gesehen habe. Und vielleicht schafft das kommende Persona 5 dasselbe! Wie können wir also wissen, was in der Zukunft noch kommt?

Ihr dachtet wohl, ich würde Persona in meiner Kolumen nicht erwähen? Süß. :)

Es gibt einen Grund, weshalb sich viele Fans so angegriffen fühlen. Owen S. Good von Polygon hat es am besten beschrieben und ich applaudiere ihn für diese wahren Worte:

“People who gripe about a "bad review" aren't doing so because they were cheated out of their time or money by putting trust in the laziness or inarticulateness of another. In the tone of their complaint you can see a mind already made up. Instead, it's about affirmation they expected and didn’t receive. It's not about the game getting universal praise from every writer reviewing it. It's about getting universal praise for buying it.“

Für viele geht es also nicht nur um die Spielerfahrung an sich, sondern um durch konstante positive Reviews in ihrem Kauf bestätigt zu werden. Das heißt, sie machen ihren Spielspaß von den Meinungen anderer abhängig. “Alles ist in Butter, wenn alle meiner Meinung zustimmen, wenn nicht, dann gibt es einen SHITSTORM!“.

Und das ist völliger Unsinn. Diese blinde Wut geht darauf zurück, was ich schon in meiner ersten Kolumne über Konsolenkriege geschrieben habe. Diese ungesunde Loyalität zu bestimmten Unternehmen und/oder Produkten, die viele Menschen haben und andere deshalb verunglimpfen, die diese Loyalität nicht teilen oder sie gar in Frage stellen. Anstatt sich eine eigene Identität zu schaffen, ist es für sie einfacher, sich einem Gruppendenken anzuschließen und dieses vehement zu verteidigen.

Obama-Mic-Drop für Owen S. Goods Artikel auf Polygon

Es sind noch nicht mal die Reviews an sich, die so kritisiert werden, sondern die Bewertungen. Völlig unabhängig davon, wie professionell, ehrlich und informativ der Bericht ist, wenn die Bewertung nicht den Erwartungen der Leser oder Zuschauer entspricht, dann wird lautstark protestiert. Die Lösung? Keine Bewertungen mehr. Keine Zahlen, kein Notensystem – gar nichts. Denn nur somit, ist der Leser oder Zuschauer zum Überlegen gezwungen, lediglich basierend auf den Argumenten, die in dem Artikel oder Video genannt werden. Danach kann jeder dann für sich entscheiden, ob sich ein Kauf lohnt oder nicht.

Alternativ greift man auf das “System“ von Film-Reviewer Jeremy Jahns zurück. Seine Bewertungen können wir wortwörtlich nehmen. „Good time, no alcohol required!“ – das klingt ziemlich eindeutig. Wobei Jahns selbst gemeint hat, dass sein System nur als ein “Fuck You“ zu anderen Bewertungssystemen existiert. Klingt auch sehr eindeutig. Oder um es noch weiter in’s Absurde zu treiben, Talkshow-Host Conan O’Brien bewertet die Spiele in seiner Clueless Gamer-Reihe hin und wieder… irgendwie. Manchmal anhand von Farben, Tönen oder was auch immer ihm gerade einfällt.

Wofür diese Bewertung steht, weiß niemand. Nicht einmal Conan. Besonders nicht Conan.

Oder wir belassen 10 Punkte als die perfekte Bewertung und 11 Punkte wäre dann ein perfekterer Score. Damit können wir Spiele eine Bestnote von 10 Punkten geben, trotz kleinerer Mängel, die in jedem Spiel irgendwie, irgendwo auftauchen. Problem gelöst. #thesegotoeleven

Im Grunde könnte ich diese Kolumne mit denselben Worten aus meinem Konsolenkrieg-Artikel beenden. So schwer es uns auch manchmal fällt, wir müssen letztendlich die Meinung anderer akzeptieren. Denn ganz im Ernst: Was ändert sich, wenn wir jemanden nach allen Regeln der Kunst beleidigen und ihn mit Gegenargumenten überschütten? Gar nichts. Er wird seine Meinung nicht ändern und wenn überhaupt, dann bestärkt ihn das eher in seiner Überzeugung. Das Ganze ist also nur ein reiner Egotrip und eine reine Zeitverschwendung.

Mein Punkt ist, es sollte völlig sein, wie die Bewertungen und Reviews von anderen Menschen ausfallen. Wenn wir trotz kleinere und für uns unbedeutendere Mängel unseren Spaß haben, dann ist das, das Einzige was zählen sollte. Das ist letztlich was Perfektion für mich ausmacht. Nicht das Spiel an sich, sondern die Erfahrungen, die wir mit dem Spiel machen. 

Quelle: 
Benni; metacritic.com; polygon.com; YouTube.com

Werbung

Kommentare

Bild von MacFracerEX

Benni, echt toller Artikel

Benni, echt toller Artikel

Bild von Benni

MacFracerEX wrote:Benni, echt

MacFracerEX wrote:
Benni, echt toller Artikel

Danke dir. :)

Bild von MacFracerEX

Benni wrote:MacFracerEX

Benni wrote:
MacFracerEX wrote:
Benni, echt toller Artikel

Danke dir. :)

komisch, ich hatte eigentlich viel mehr geschrieben.... das hat man davon wenn man das ICE inet über das Smartphone nutzt XD

Bei mir ist es so das eine Bewertung keine konkrete bedeutung mehr hat, ich wusste gar nicht das Zelda einen Metacritic von 97 hat. Ich habe Zelda vor 3 Tagen durchgespielt und muss sagen das ich auch keine 10von10 punkten vergeben würde weil es für mich Gameplay technische schwächen hat, die für mich schwerer wiegen als wie die Framerate.

Sich darüber aufzuregen weil jemand anderes nicht meiner Meinung wäre finde ich albern. Jeder Mensch ist halt was anderes gewohnt und bewertet anders das ist nunmal so.

Ein paar kurze Worte aber zum neuen Zelda von mir, das was sie daraus gemacht haben ist echt gewagt anders aber auch gut. Gerade in die das Storytelling finde ich besser als bei den Vorherigeren teilen und genau das ist es was ich an diesem teil echt mag und warum es so gut für mich persöhnlich ist.

Bild von Benni

MacFracerEX wrote:Sich

MacFracerEX wrote:
Sich darüber aufzuregen weil jemand anderes nicht meiner Meinung wäre finde ich albern. Jeder Mensch ist halt was anderes gewohnt und bewertet anders das ist nunmal so.

Amen, mein Freund, Amen. :)

MacFracerEX wrote:
Ein paar kurze Worte aber zum neuen Zelda von mir, das was sie daraus gemacht haben ist echt gewagt anders aber auch gut. Gerade in die das Storytelling finde ich besser als bei den Vorherigeren teilen und genau das ist es was ich an diesem teil echt mag und warum es so gut für mich persöhnlich ist.

Interessanterweise war dieser gewagte Schritt, wie du ihn genannt hast, im Grunde ein Schritt zurück in Richtung erstes Zelda. Mit einer offenen Welt und du kannst das Spiel spielen, wie du möchtest ohne das du irgendwie an die Hand genommen wirst. Old-school-Style.