Zockerhausen-Kolumne: Kann der Uncharted-Film den Fluch der Videospielverfilmungen brechen?

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Ahhhh, Videospiel-Verfilmungen... Was mussten wir als Gamer in den letzten Jahren so alles ertragen. Manche Filme waren ähhh, "akzeptabler" als andere, aber bis auf Guilty Pleasures (Mortal Kombat, Silent Hill.... Tomb Raider...) gab es noch keinen richtigen qualitativen und kommerziellen Erfolg. Könnte Uncharted da als Erstes auf Gold stoßen?


"Oh, crap...."
 

Die Uncharted-Serie liegt mir persönlich sehr am Herzen. Ich weiß, dass es einige gibt, die die Spiele gerne als herkömmlichen 3rd-Person-Shooter mit einem coolen Hauptcharakter abschreiben, aber für mich liegt das Herzstück der Serie an den Stories, den Charakteren, den Setpieces und dem fantastischen Soundtack. All die Abenteuer wie die Uncharted-Spiele, die "Indiana Jones"-Filme oder die "Der Herr der Ringe"-Bücher und -Filme, hatten einen großen Einfluß auf die Entscheidung, meine deutsche Komfortzone zu verlassen und die Welt zu bereisen. Ich bin sicherlich kein so großer Abenteurer wie die virtuellen und literarischen Kollegen, aber immerhin konnte ich für einige Zeit Australien und Thailand mein Zuhause nennen.

Zurück zum Thema: Seit 2009 versuchte Sony einen Uncharted-Film auf die Beine zu stellen. Aber in den letzten Jahren gab es, wie es häufiger bei großen Projekten ist, ein paar Stolpersteine. Drei Regisseure (David O. Russel, Neil Burger und Seth Gordon) versuchten sich an Uncharted, haben aber wegen verschiedenen Gründen das Projekt verlassen. Bis dann im Oktober 2016 Shawn Levy, der Regisseur der "Nachts im Museum"-Filme und Executive Producer für "Stranger Things" die Spitze übernahm, mit Joe Carnahan (Regisseur von The A-Team, The Grey und Smokin' Aces) als Drehbuchautor. Und wie es aussieht soll die Produktion am Ende des Frühlings in Kolumbien beginnen. Soweit die kleine Zusammenfassung.

Kann das Filmduo, Nathan Drake erfolgreich auf die Leinwand bringen?
 

In den letzten Monaten gab es immer wieder ein paar Details zum Fortschritt und das ist etwas, dass ich gerne mit euch diskutieren möchte. Denn basierend auf den Aussagen, gibt es für mich sowohl Grund zur Freude als auch Grund zur Sorge.

"Es ist wichtig, sich nicht zu genau an den Spielen zu orientieren. Man muss die Tradition ein wenig brechen, um überzeugende Geschichten zu erzählen." - Joe Carnahan

Dem stimme ich zu, da jedes Medium nach seinen eigenen Regeln spielt. Vor allem was die Stories betrifft, hat man bei einer Serie wie Uncharted freien Spielraum. Es gibt unzählige Kulturen, Mythen und Länder, die in einem Film erforscht werden können ohne sich letztlich groß an den Spielen zu orientieren. Wie Neil Druckmann von Naughty Dog meinte, seien die Beziehungen zwischen den Charakteren eher am Wichtigsten. Er glaube, dass der Film nicht funktionieren würde, wenn man den Kern nicht richtig hinbekommt. Und das stimmt. Nathan, Elena und Sully spielen eine große Rolle und sollten meiner Meinung nach im Film genauso übernommen wie sie in den Spielen dargestellt werden, und die Filmmacher auf diese Beziehungen bauen sollten. 

In welche Schwierigkeiten sie sich bringen und welche Zivilisation sie dieses Mal ruinieren, ist wie gesagt eher zweitrangig. Da bleiben viele Möglichkeiten. Aber Drehbuchautor Joe Carnahan hat da scheinbar andere Pläne als er meinte, dass es bekannte Charaktere aus den Spielen geben wird, aber diese nicht zwangsläufig dieselben wie in den Spielen seien. Er denkt, dass sei wichtig. Man müsse das tun.

Boys, you're welcome.
 

Und das ist eine Aussage, bei der ich ein wenig skeptisch werde. Ich vertraue Carnahan einfach nicht so weit als Autor (und Regisseur), dass er die Charaktere besser schreiben kann, als die Damen und Herren von Naughty Dog. Er sieht Nathan auch als eine Art Anti-Indiana Jones, da er im Vergleich zum beliebten Archäologen, Museen nicht liebt und eher ein Dieb und Gauner sei. Nate und Sully seien keine guten Kerle, aber immerhin besser als die anderen Bösewichte. Ich stimme soweit zu, dass Nathan andere Werte hat als Indy, aber das komplette Gegenteil ist er meiner Meinung nach nicht. Beide haben gaunerhafte und ehrenhafte Züge, aber ganz Schwarz/Weiß kann man das nicht so sehen.

Kürzlich meinte Carnahan ebenfalls, dass sein Drehbuch R-rated sein solle, also bei uns ab 18 Jahren. In den Spielen werde viel geflucht und die Charaktere seien vulgär. Abgesehen von ein paar sexuellen Anspielungen, besonders von Chloe und Sully, bin ich mir nicht ob das so stimmt. Jeder der Uncharted ein wenig kennt, weiß, das Drakes Lieblingswort "Crap" ist und das ist nicht unbedingt ein Wort für das man eine 18er-Einstufung benötigt.

Das Einzige, was ein R-rating rechtfertigen würde, wäre die Action. Und da muss man sich bei Carnahan keine Gedanken machen. Er hat auch schon angegeben, das er die "fucking craziest action sequences" in das Drehbuch gepackt hat. Nur fragt sich, ob Regisseur Shawn Levy da wirklich an Bord ist. "Bitte mach Uncharted nicht anders/R-Rated, nur weil es seit Deadpool Trend ist." war die Bitte eines Fans auf Twitter. Levys Antwort: "Ich könnte nicht mehr zustimmen.".

Nate tötet zwar hunderte von Menschen in den Spielen, aber das muss sich nicht zwangsläufig so in dem Film widerspiegeln. Ich finde, sie sollten sich dann eher auf spektakuläre Actionsequenzen fokussieren, die schon in den Games so einzigartig sind. Aber hey, wir reden hier von Hollywood. Was das also angeht, dürften wir uns keine Gedanken machen.

"Wir wissen nichts über den Film." - Neil Druckmann

- "Hey Sully, hast du das Drehbuch schon gelesen?
- "Nope..."
 

Es stellt sich natürlich auch die Frage, wie sehr oder eher ob Naughty Dog bei der Verfilmung involviert ist. Carnahan meinte in einem Interview kürzlich, dass es ihm sehr wichtig war, die Zustimmung von Amy Hennig (Director von Uncharted 1-3) zu bekommen und er hörte, dass Naughty Dog sehr glücklich mit dem Drehbuch sei. Neil Druckmann hingegen sagt da hingegen etwas anderes. Vor drei Tagen tweetete er, dass niemand von Naughty Dog das Drehbuch gelesen habe. Vor wenigen Stunden schrieb er: "Wir wissen nichts über den Film. Ich wünschte, der Drehbuchautor würde aufhören zu sagen, dass er unsere Unterstützung habe." Das ist ziemlich eindeutig.

Auf der einen Seite denke ich mir, dass es in Ordnung ist, wenn man sich nicht 100%ig an der Vorlage orientiert. Carnahan und Levy sind begeisterte Fans der Spiele, zumindest sagen sie das, und sie halten sich so weit es möglich ist an die Vorlage. Beispielsweise soll die Legende von Sir Francis Drake und der entsprechende Ring in dem Film vorkommen. Auf der anderen Seite denke ich mir, dass logischerweise niemand diese Reihe besser kennt als Naughty Dog. Es würde also Sinn machen, die Macher zu konsultieren und Ideen einzuholen. Schon im November 2016 wurde gesagt, dass die Filmmacher sich mit Naughty Dog getroffen haben, aber auch hier verneinte Druckmann, "Er habe sie nie getroffen.".

Amy Hennig hat Carnahan über Twitter gratuliert, als er das Drehbuch fertigstellte, aber sie gehört ja mittlerweile nicht mehr zu Naughty Dog, von daher betrifft sie die Aussage von Druckmann nicht. Nolan North hingegen scheint sich gut mit Carnahan zu verstehen. In einem Interview im letzten Jahr meinte, dass die Fans sich keinen Film wünschen würden, da die Spiele an sich schon cineastische Erfahrungen seien. Aber das war bevor Carnahan und Levy das Projekt übernommen haben, also seine Meinung hätte sich seitdem ändern können.

Nolan North wants YOU to play more Uncharted
 

Wie der Film am Ende aussieht, wird sich noch zeigen, aber ich persönlich traue dem Filmduo nicht ganz. Besonders nicht Carnahan. Einerseits wegen seinen fragwürdigen Aussagen gegenüber Naughty Dog, andererseits wegen seiner Filmografie. Meiner Meinung nach ist "The Grey" sein einziger ser guter Film, alle anderen wie "The A-Team" und "Smokin' Aces" sind... naja. Wie gesagt, über die Action mache ich mir wenig Gedanken, aber alles andere? Wird sich zeigen.

Mit "Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn", finde ich, haben wir ja schon einen inoffiziellen Uncharted-Film bekommen. Besonders die Verfolgungsszene gegen Ende des Films, könnte direkt aus dem Spiel kommen. Aber was die eigentliche Verfilmung angeht, bin ich noch nicht überzeugt. Als hoffnungsloser Optimist drücke ich die Daumen und hoffe, dass die selbsternannten Uncharted-Fans einen unterhaltsamen Blockbuster auf die Leinwand zaubern können.

Es geht mir nicht nur darum endlich eine gute Videospielverfilmung zu sehen, sondern auch einfach mal wieder ein packendes Abenteuer wie "Indiana Jones". In den letzten Jahren gab es den schon genannte "Tim und Struppi"-Film, die "National Treasures"-Filme mit Nicholas Cage und "Die Mumie"-Trilogie. Und selbst die sind schon auch ein paar Jahre alt. Da war Brendan Fraser noch ein gefragter Schauspieler! Und Dwayne "The Rock" Johnson am Anfang seiner Filmkarriere.

Sorry, Brendan...
 

Bis wir den Uncharted-Film zu Gesicht bekommen, wird es noch dauern. Immerhin haben wir noch nicht mal ein Casting für die Charaktere. J. K. Simmons, Bruce Campbell oder Tom Selleck als Sully! Also Daumen drücken und hoffen, dass es nicht, wie Nate sagen würde, "Crap" wird.

Wie seht ihr dem Ganzen gegenüger? Kann Shawn Levy und Joe Carnahan den Fluch der Videospielverfilmungen brechen? Oder sollten wir eher bei den Spielen bleiben?

Quelle: 
ign.com; YouTube.com; collider.com; Benni

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