
Mit der Metal Gear-Serie hat Konami seit den späten 80er Jahren einen Dauerbrenner geschaffen, dessen Hauptfigur Solid Snake Kult ist und der vor allem durch spannendes Gameplay und filmreife Sequenzen brilliert. Zockerhausen-User Shinespark wirft in diesem Review einen kritischen Blick auf den GameCube-Titel Metal Gear Solid: The Twin Snakes.

Spieltitel: Metal Gear Solid: The Twin Snakes
System: Nintendo GameCube
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Silicon Knights
Publisher: Konami
Datenträger: 2 Mini-DVDs
Spieleranzahl: 1 Spieler
Fragt man einen Großteil eingefleischter PlayStation 1-Spieler danach, welches das beste Spiel für diese Konsole ist, dann werden viele davon garantiert mit Metal Gear Solid antworten. Der dritte (offizielle) Einsatz von Solid Snake sorgte Anno 1998 weltweit für hohe Verkaufszahlen, phänomenal gute Kritiken in der Fachpresse und katapultierte seinen Erfinder Hideo Kojima in den Videospiele-Olymp.
Ebenso grandios wie kommerziell erfolgreich war der Nachfolger im Jahr 2001 Metal Gear Solid 2: Sons Of Liberty.
Als wenige Jahre nach dem Release von MGS 2 der Mario- und Zelda-Erfinder Shigeru Miyamoto bei Hideo Kojima anklopfte und nach einer exklusiven Metal Gear-Episode für Nintendos damalige Heimkonsole GameCube fragte, war das auch schon alles, um das Projekt in Gang zu kriegen. Da allerdings bei Konami selbst die Entwicklungsarbeiten für MGS 3 schon auf Hochtouren liefen, wurde das kanadische Entwicklerstudio Silicon Knights mit an Bord geholt, um den Titel zu entwickeln. Die Zwischensequenzen wurden bei Konami selbst komplett neu entwickelt und überarbeitet, jedoch mit der Hilfe des japanischen Regisseurs Ruyhei Kitamura, der sich durch die exzessive Verwendung des Bullet-Time-Effekts einen Namen gemacht hatte.
Auf der E3 2003 erschien dann ein Trailer mit der Nachricht: "Beste Story des 20. Jahrhunderts trifft auf das beste Gameplay des 21. Jahrhunderts." Oder um es einfach auszurücken: Die Geschichte von Metal Gear Solid trifft auf das Gameplay von Sons Of Liberty. Folgerichtig sollten Besitzer der Nintendo-Konsole nicht mit einem neuen Einsatz von Snake beglückt werden, sondern mit einem Remake des PlayStation-Klassikers. Nachdem bereits einige Jahre zuvor Capcom mit der Neuauflage des ersten Resident Evil-Teils auf dem Spielewürfel große Erfolge feiern konnte, sind die Erwartungen an The Twin Snakes natürlich auch dementsprechend hoch gewesen.
Aber genug des Vorgeplänkels: Lassen wir die Fakten sprechen.
Die Geschichte von Metal Gear Solid ist ja eigentlich schon mehr eine Legende in der Videospielszene: Im Jahr 2005 gelingt es den sogenannten "Sondereinheiten der nächsten Generation" unter der Führung von Solid Snakes früherer Einheit "Foxhound", eine Fabrik, die für die Entsorgung nuklearer Waffen dient, auf der kleinen Insel Shadow Moses in ihre Gewalt zu bringen.
Nun stellen diese Forderungen an Washington und drohen bei Nichterfüllung innerhalb von 24 Stunden mit einem atomaren Anschlag. Unter der Führung des Verteidigungsministers Jim Houseman soll Colonel Roy Campbell nun eine Gegenmaßnahme einleiten. Für diese Operation schafft es Campbell, seinen früheren Agenten Solid Snake zu gewinnen, der dann auch in die Entsorgungsanlage eindringt.
Snakes Ziele bestehen neben dem Vereiteln des drohenden Nuklearanschlages auch in der Rettung zweier prominenter Geiseln. So befinden sich der "DARPA"-Chef Donald Anderson und der Präsident der fiktiven Rüstungsfirma "Arms Tech", Kenneth Baker, in den Fängen von Foxhound. Was für den abgebrühten Veteranen Snake zunächst wie ein Routineauftrag aussieht, entpuppt sich als das schockierendste Kapitel, dass er in seinem Leben bis zu diesem Zeitpunkt mitmachen musste...
Wer das Original auf der PlayStation oder auf dem PC gespielt hat, dem wird die Geschichte nur allzu gut bekannt sein. Und selbstverständlich weicht das Remake der Handlung inhaltlich in keinster Weise ab. Im Gegensatz dazu steht die Präsentation der Story und in den gewohnt zahlreich vorhandenen Zwischensequenzen. Wie schon erwähnt, hat Konami dafür extra den japanischen Regisseur Ruyhei Kitamura angeheuert und selbiger hat in jederlei Hinsicht spektakuläre Arbeit abgeliefert. Allerdings wirken seine inszenierten Aktionen oftmals dermaßen überzogen, dass das ganze schon ins lächerliche abdriftet. Klar, Metal Gear steht für spektakuläre "Over The Top"-Action, aber The Twin Snakes schießt zu weit über das Ziel hinaus.
Selbst für Metal Gear-Standards und besonders gilt das für Solid Snake. Verfolgt man die Moves und Stunts, die er in den Cutscenes an den Tag legt, könnte man glatt meinen, man habe Dante aus Devil May Cry oder Son Goku nach Shadow Moses geschickt. Beim Cyborg-Ninja mag Kitamuras Einfluss ja noch ziemlich treffend und auch wirklich grandios sein, aber bei Snake wirkt das Ganze einfach viel zu überzogen. Ich meine, hat man schon mal einen "normalen" Soldaten ohne irgendwelche Superkräfte 20 Meter hoch springen und sich in der Luft von einer Rakete abstützen sehen??? Doch später noch etwas mehr dazu.
Was The Twin Snakes jedoch wesentlich besser macht als MGS 2, ist die Präsentation der Dialoge. Im PS2/Xbox/PC-Abenteuer musste man selbst bei Gesprächen, in denen die Charaktere direkt nebeneinander standen den Codec-Bildschirm über sich ergehen lassen. Im Gegensatz dazu wurden auf dem Cube wesentlich mehr richtige Cutscenes verwendet.
So sehr die Zwischensequenzen auch über das Ziel hinausschießen, das Gameplay bleibt nach wie vor unangetastet. Es gilt, unter allen Umständen Feuergefechte zu vermeiden und den feindlichen Stützpunkt zu infiltrieren. Snake hat dabei eifrig aus der Vergangenheit gelernt und bringt dazu sein ganzes Arsenal an Gadgets und Moves aus MGS 2 mit.
Im Klartext bedeutet das, dass er sich nun an hüfthohen Vorsprüngen entlang hangeln, Spinde als Versteck für sich oder feindliche Soldaten nutzen oder aus der Ego-Perspektive genauer zielen kann. Auch die allseits beliebte Betäubungspistole hat dieses Mal den weiten Weg nach Alaska gefunden und bietet somit die Möglichkeit, das Spiel zu beenden, ohne einen Gegner zu töten.
Ansonsten sind Infrarotbrillen, Minendetektor und ein Waffenarsenal, das fast schon für einen Privatkrieg reicht, und natürlich der gefürchtete Pappkarton Snakes beste Freunde im Kampf gegen den Terrorismus. Aber braucht man diese ganzen "Neuerungen" wirklich? Nun, bis auf die Ego-Perspektive eigentlich nicht. Denn während in MGS 2 das Level-Design so zugeschnitten war, dass man stetig Verwendung für die genannten Bewegungsmöglichkeiten hatte, basiert der Schauplatz in The Twin Snakes natürlich auf dem Originalspiel von 1998. Soll heißen, damals gab es das Verstecken in Schränken und Co. nicht und man musste auch nicht beim Design nicht darauf achten.
Dank der Ego-Sicht und dem damit verbundenen Zielmodus wird die Mission von Snake dafür aber um einiges komfortabler gemacht. So kann man nun endlich nervende Überwachungskameras per Bleikugeln ausschalten oder Wachen durch gezielte Kopfschüsse schneller töten bzw. ins Reich der Träume schicken. Leider wird dem Spiel aber auch so zu einem gewissen Maße die Herausforderung genommen.
Besonders bei einigen Bosskämpfen bekommen das Veteranen zu spüren. Revolver Ocelot lässt sich plötzlich in Sekundenschnelle durch wenige gezielte Schüsse erledigen und auch Vulcan Raven scheint durch das manuelle Zielen viel leichter zu besiegen sein, selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Beim Kampf gegen Rex wurde den Raketen die Zielsuchfunktion genommen, was das Duell fast schon lächerlich macht.
Überhaupt scheinen die Entwickler von Silicon Knights sich primär darauf konzentriert zu haben, das Spiel einfacher zu machen, denn es fällt stark auf, dass die Wachen im Vergleich zum Original weniger aufmerksam sind und in Sachen K.I. doch etwas abgebaut haben. Wird dann doch mal eine Alarmphase ausgelöst, orientieren sich die Wachen einmal mal mehr an Snakes erstem PS2-Auftritt.. Statt wie zu PS-One Zeiten, wo praktisch unendlich viele Soldaten anrücken, bis ein Countdown abgelaufen ist, rufen die Wachen nun über Funk Verstärkung in Form eines Angriffsteams, meistens ausgerüstet mit Schilden und Schrotgewehren, das dann versucht, dem Agenten das Leben schwer zu machen. Schafft man es, sich alle Angreifer vom Hals zu halten oder sich lange genug zu verstecken, wechselt das Spiel in den Vorsichtsmodus, in dem zwar auch der praktische Solitonradar wieder funktioniert, aber die Wachen immer noch in größerer Anzahl nach Snake suchen. Erst wenn diese Phase heil überstanden ist, darf man normal weiterspielen.
Auch wenn The Twin Snakes versucht, viele Aspekte des Originals leichter und komfortabler zu machen, so kämpft das Spiel leider mit einem Problem, das selbst das beste Entwicklerstudio wohl nur schwer hätte beheben können: Der GameCube-Controller. Schon des Öfteren hatten Metal Gear Solid-Teile mit Mehrfachbelegungen der Tasten für Frust gesorgt. Auf der Nintendo-Konsole erreicht dieses Kapitel jedoch neue negative Dimensionen. Denn im Gegensatz zum PS2-Pad hat man weniger Knöpfe zur Verfügung, was bedeutet, dass man für manche Befehle, wie zum Beispiel das Aufrufen des Codecs, mehrere Tasten gleichzeitig drücken muss. Auf der Sony-Konsole gab es zusätzlich noch analoge Tasten, um Waffen, welche man im Anschlag hielt, nicht gleich abzufeuern. Will man diese Aktion nun auf dem Cube durchführen, muss man wahre Fingerakrobatik beweisen.
Genauso problematisch ist das Werfen von Granaten. Während man früher die Wurfweite noch dank drucksensitiver Tasten in Windeseile bestimmen konnte, muss man nun den Knopf für einen weiteren Wurf länger gedrückt halten. Allein diese Tatsache macht den Bosskampf gegen den Panzer zu dem wohl schwersten im Spiel. Zwar sind beim Nintendo-Controller die Schultertasten analog, jedoch werden diese komischerweise für das Aufrufen des Menüs verwendet.
Wie schon vorher erwähnt, wirken Snakes Aktionen in den Zwischensequenzen viel zu weit hergeholt. Das geht sogar soweit, dass man öfters mal denkt, man würde zwei verschiedene Personen steuern. Der Snake in den Cutscenes würde wohl problemlos jeden olympischen Wettbewerb gewinnen, ganz im Gegenteil zu seinem Kollegen in den Spielabschnitten, der eher wie ein Bewegungslegastheniker wirkt. Denn riesige Sprünge oder einen Rückwärtssalto aus dem Stand bekommt man hier nun wahrlich nicht zu sehen.
Neben dem Hauptspiel sind natürlich auch ein paar Extras mit an Bord. So kann man, nachdem man Snakes Mission einmal erfolgreich beendet hat, im Boss-Survival-Modus alle Endgegner nacheinander besiegen, ohne sich durch die Story zu spielen. Wen die Sammlerlust packt, der kann auch bestimmten Wachen ihre Hundemarken abnehmen und diese im Dog Tag Viewer ansehen. Besondere Items oder dergleichen lassen sich dadurch allerdings nicht freischalten. Somit ist der Wiederspielwert nur durch die zwei verschiedenen Endsequenzen zwar gering, aber immerhin vorhanden.
Definitiv ist es ja nun kein Geheimnis, dass Remakes von Videospielen bei der optischen Präsentation am meisten zulegen. Und The Twin Snakes folgt diesem Beispiel in jederlei Hinsicht.
Die Charaktere haben nun auch endlich richtige Pupillen und gestikulieren bei Gesprächen nicht mehr wild mit der Hand herum - auch wenn die Lippenbewegungen nur selten mit der Sprachausgabe synchron sind. Grafische Höhepunkte sind aber ohne jeden Zweifel die Auftritte des Cyborg-Ninjas. Hier kommt Kitamuras Spezialität, der Bullet-Time-Effekt, im vollem Glanz zum Zuge.
Wie auch das Gameplay orientiert sich die Grafik stark an Sons Of Liberty, was ja keinesfalls schlecht ist, denn auf der PlayStation 2 zählt der Kojima-Titel nach wie vor zur oberen Liga. Das Problem ist nur, dass zwischen den beiden Spielen drei Jahre liegen und man vom GameCube aufgrund der technischen Überlegenheit eigentlich mehr erwarten kann. Aber noch mal: Das Spiel macht grafisch definitiv alles andere als eine schlechte Figur. Jedoch wirken manche Texturen nicht ganz so detailliert, besonders bei den Charakteren. Hin und wieder fallen auch einige Ruckler auf. Beispielsweise wenn im Radarfenster die Suchaktivitäten der gegnerischen Soldaten angezeigt werden oder bei gigantischen Explosionen.
Für Snakes ersten und einzigen Auftritt auf dem GameCube wurden die alten Hintergrundmusiken und Sprachaufnahmen weder wiederverwendet noch digital restauriert oder dergleichen. Die Stimme jedes Charakters wurde neu aufgenommen und die Musikstücke wurden durch komplett neue ersetzt. Glücklicherweise hatte man für die Synchronisation nahezu jeden Originalsprecher wieder mit an Bord, so dass das Qualitätsniveau sehr hoch ist. Manche Sprecher klingen allerdings nicht mehr ganz so motiviert wie zuvor (Naomi Hunter). Aber das ist in diesem Fall wirklich Meckern auf hohem Niveau.
Auch die Hintergrundmusik kann durchaus überzeugen, obwohl sie längst nicht die Qualitäten der Soundtracks von Harry-Gregson Williams erreicht. Seltsamerweise ist bei manchen Szenen im Spiel sogar gar keine Musik zu hören und so dass Teile der Atmosphäre abgebaut werden. So zum Beispiel bei Snakes Gefangennahme oder Naomis Geständnis.
Metal Gear Solid: The Twin Snakes bringt eigentlich alles mit, was man von einem guten Remake erwartet. Allerdings auch nicht mehr. Mit der Ankündigung, dass man sich des Gameplays von MGS 2 bedienen wird, hat man zwar nicht unbedingt schon eine Schwäche offenbart, aber leider hat man das Ganze nicht sonderlich gut auf der Nintendo-Konsole umgesetzt. Die Steuerung von Snake passt so ziemlich gar nicht auf den GameCube-Controller und aufgrund fehlender Optionen zur Veränderung oder Anpassung der Tastenbelegung kommt da schnell mal Frust auf.
Technisch macht der Titel ein solides Gesamtbild, wobei man aber definitiv sagen muss, dass auf dem GameCube noch wesentlich mehr drin gewesen wäre. Das Highlight sind einmal mehr die Zwischensequenzen, die in jedem Fall äußerst spektakulär über den Bildschirm flimmern, aber selbst für die Welt von Metal Gear eine Spur zu überdreht sind.
Unter dem Strich bleibt eine gute Metal Gear-Episode, welche aber keinesfalls an die anderen heranreicht und noch weniger ein Ersatz für den PlayStation-Bestseller ist.
WERTUNG
Gameplay/Spielmechanik: 7/10 Punkte
Grafik: 7/10 Punkte
Sound: 8,5/10 Punkte
Umfang: 7/10 Punkte
Multiplayer: nicht vorhanden
GESAMTWERTUNG: 77 % (GUT)
+ nach wie vor eine grandiose Geschichte...
+ ...und Bosskämpfe
+ spektakuläre Zwischensequenzen...
- ...die leider öfters übertrieben präsentiert werden
- stark überfrachtete Steuerung
- grafisch wäre mehr möglich gewesen
- keine VR/Trainigsmissionen
Kommentare
Die deutsche
5. Januar 2009 - 17:22 — JudeauDie deutsche Erstsynchronisation von Metal Gear Solid für PS1 war ja wohl eher eine mittelschwere Katastrophe. Sprichst du hier von der englischen Tonspur?
Dass die deutsche Synchro vom
5. Januar 2009 - 18:10 — ShinesparkDass die deutsche Synchro vom Original ziemlich miserabel war, da geb ich dir definitv recht. Ja, ich meine die englischen Stimmen von der PS1 Version und die hören sich dort eine Ecke besser an als in The Twin Snakes.
Ich find das Remake um längen
5. Januar 2009 - 21:01 — DragonIch find das Remake um längen besser als das Original. Die Sequenzen sind einfach so unglaublich geil gemacht. Die Steuerung ist überhaupt nicht überlagert, sondern völlig einwandfrei...
Schöner Test^^ obwohl ich dem
10. Januar 2009 - 18:05 — Siggi_Bellic_De...Schöner Test^^ obwohl ich dem game einer höhere wertung gegeben hätte^^ und mit den zwischensequenzen hast du reicht die sind manchmal total übertrieben z.b. als er sich von ne rakete abstoßt xD